Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zieht Konsequenzen aus den jüngsten Skandalen bei der Bundeswehr. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat die CDU-Politikerin den Kommandeur des Ausbildungskommandos in Leipzig seines Amtes enthoben. "Walter Spindler steht nicht mehr in der Verantwortung", sagte ein Sprecher des Ministeriums und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Spiegel. Demnach hat Generalinspekteur Volker Wieker den Verteidigungsausschuss des Bundestags in einer vertraulichen Sitzung über die Personalie bereits unterrichtet. An die Spitze des Ausbildungskommandos soll nun Brigadegeneral Norbert Wagner rücken, der bislang Chef des Ausbildungszentrums in Munster war.

Spindler war seit Mai 2013 Chefausbilder des Heeres bei der Bundeswehr und damit direkt verantwortlich für die Aufklärung der Missbrauchsfälle, etwa während der Ausbildung von Sanitätern im baden-württembergischen Pfullendorf. Nach Informationen des Spiegel ging der Ministerin die Aufarbeitung der Skandale durch den Generalmajor und seine Rechtsberater zu schleppend.

Eigentlicher Anlass für Spindlers Absetzung sind aber neue Vorwürfe, wonach der Kommandeur in einem bisher noch nicht bekannten Fall von Verfehlungen durch Heeresausbilder im thüringischen Sondershausen nicht energisch genug ermittelt habe. Dem Spiegel zufolge sollen sich mehrere Soldaten bereits seit Mai 2016 über zwei Hauptfeldwebel beschwert haben. Diese sollen die ihnen unterstellten Unteroffiziersanwärter regelmäßig verbal erniedrigt und zu Strafmaßnahmen gezwungen haben.

Ähnliche Vorwürfe gab es bereits nach den Vorfällen in Pfullendorf. In der Ausbildungskaserne in Baden-Württemberg soll es sexuell-sadistische Praktiken sowie Gewaltrituale gegeben haben. Auch dort wurden die Beschwerden einer Soldatin vom Ausbildungskommando über Monate verschleppt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. 

Nachdem kurz danach auch Missstände bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall bekannt wurden – hier ermittelt die Staatsanwaltschaft Traunstein wegen Mobbings, "sexualbezogener Verfehlungen", Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz –, hatte Verteidigungsministerin von der Leyen eine systematische Aufarbeitung der Vorfälle angekündigt. Als Konsequenz sollen etwa das Meldewesen der Bundeswehr gestrafft, Dienstaufsicht und Ausbildung verbessert werden. Im Ministerium gibt es künftig ein neues Referat, wo Angelegenheiten der inneren Lage der Truppe gebündelt werden. Zudem soll als externer Gutachter der Kriminologe Christian Pfeiffer die Hintergründe der Skandale eingehend überprüfen.