Täuscht der Eindruck oder ist Peter Tauber ein wenig erleichtert? Am Dienstag steht der CDU-Generalsekretär in der Wahlkampfzentrale seiner Partei, die sie hier den Maschinenraum nennen, und doziert über Techniken des erfolgreichen Häuserwahlkampfs. Sein Lächeln wirkt so ungekünstelt wie immer.

Dabei ist Tauber seit dem Vortag die Hälfte seines Jobs los. Da hatte er, nachdem Parteipräsidium und Vorstand getagt hatten, erklärt, er habe "den Gremien vorgeschlagen, dass Peter Altmaier neben mir federführend die Erarbeitung des Regierungsprogramms übernimmt". Das heißt: Der Kanzleramtschef wird einen wesentlichen Teil des CDU-Wahlkampfes verantworten, der eigentlich in die originäre Zuständigkeit des Generalsekretärs fällt.

"Dieser Wahlkampf wird anders", hatte Merkel gesagt, als sie im November entschied, noch einmal anzutreten. Nun weiß man, was das auch bedeutet: Falsche Rücksichtnahme kann die Kanzlerin sich nicht mehr leisten. Denn auch wenn Tauber die Einbeziehung von Altmaier als seine eigene Entscheidung verkauft hat, ist doch ziemlich offensichtlich, dass sie zumindest einer Teilentmachtung gleichkommt.

Wirklich überrascht hat das in der Partei niemanden. Taubers Performance galt seit Langem als suboptimal, selbst wenn seine Kritiker ihm zugutehalten, dass ein Generalsekretär eben auch nur den Spielraum hat, den die Parteichefin ihm lässt.

Und Merkel hatte sich Tauber schließlich nicht ausgesucht, weil sie hoffte, er würde mit markigen Sprüchen für Schlagzeilen sorgen. Ihre Wahl fiel 2013 auf den damals erst 39-jährigen, weitgehend unbekannten Netzpolitiker, weil er die Partei in die digitale Zukunft führen sollte. In dieser Hinsicht war Tauber durchaus erfolgreich. Er holte die Nerds aus der Computerwelt zum Gedankenaustausch in die Parteizentrale, Konferenzen mit der Chefin gab es fortan auch im Internet, und Neuparteimitglieder können mittlerweile online an Fachforen teilnehmen und sind nicht mehr allein auf eine Mitarbeit im Ortsverband angewiesen.

Auch in anderer Hinsicht schien Tauber gut zu dem modernen Image zu passen, das die CDU-Chefin ihrer Partei verordnet hatte. Jünger, bunter und weiblicher wollte er die CDU machen. Sein Eintreten für ein Einwanderungsgesetz war auch der Versuch, die CDU für Migranten attraktiver zu machen.

Taubers Ungeschick

Gleichwohl agierte er oft ungeschickt. Dass er im vergangenen Jahr, als die CDU eine Landtagswahl nach der nächsten verlor, die Siege von SPD und Grünen zum Beleg dafür erklärte, dass man mit Merkels Flüchtlingspolitik durchaus Wahlen gewinnen könne, kam in der Partei nicht gut an. Und wenn er doch mal versuchte, politisch auszuteilen, ging auch das mitunter daneben, wie etwa als er FDP-Chef Christian Lindner mit dem AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland verglich. Als dann in diesem Jahr der Hype um SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz die CDU überraschte, hatte Tauber dem wenig entgegenzusetzen. Wie der Rest der Partei übrigens auch. Aber an Tauber blieb es hängen.

Dass Merkel den Wahlkampf nun nicht mehr allein dem jungen Generalsekretär anvertrauen will, zeigt aber vor allem, wie ernst die Partei die Auseinandersetzung diesmal nimmt. Im März vor der Bundestagswahl 2009 lag die CDU etwa neun Prozentpunkte vor der SPD, 2013 waren es sogar 14 Prozentpunkte. Auch wenn die Schulz-Euphorie durch die Saarland-Wahl einen Dämpfer bekommen hat, so hat dies doch nichts daran geändert, dass die SPD in Umfragen immer noch über 30 Prozent erreicht und der Abstand zur CDU damit sehr viel kleiner ausfällt als bei vergangenen Wahlen.

Gewinnt die SPD die kommenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, könnte ihr das neuen Aufwind geben. Die entscheidende Bedrohung geht für die CDU aber davon aus, dass die SPD anders als früher ein Zusammengehen mit der Linkspartei nicht mehr ausschließt. Ein rot-rot-grünes Bündnis könnte die CDU von der Macht vertreiben, selbst wenn sie stärkste Kraft werden sollte. Auch eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP werden die Liberalen diesmal – anders als bei früheren Wahlkämpfen – wohl nicht ausschließen.