Bayern - Seehofer will politische Ämter weiterführen Horst Seehofer will seine Laufbahn als CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident fortsetzen. Vorangegangen waren Aussagen des 67-Jährigen, denen zufolge er seine politischen Ämter bald niederlegen wolle. © Foto: Christian Bruna/EPA/REX/Shutterstock

Braungebrannt und gut gelaunt erscheint Horst Seehofer am Montagnachmittag in München vor der Presse. "Sie werden verstehen, dass ich heute zu den fröhlichen Leuten in Bayern gehöre", sagt er. Woher seine gute Laue kommt, ist da bereits seit Längerem klar: Er sei bereit, sich auch in den kommenden Jahren für das Amt des Parteivorsitzenden und des Ministerpräsidenten zu bewerben, hatte Seehofer am Vormittag dem CSU-Vorstand mitgeteilt.

Es ist das überraschende Ende eines mehrjährigen Dramas, in dem Seehofer vorgab, sich 2018 aus der Politik zu verabschieden und vorher für einen geordneten Übergang sorgen zu wollen. Doch auch ein Seehofer kann eben mal irren. Ein Datum für seinen Ausstieg zu nennen sei ein schwerwiegender Fehler gewesen, so der CSU-Chef heute. Den werde er nicht wiederholen. Zu einem eventuellen neuen Ausstiegsdatum werde man von ihm "nix mehr hören".

Die Motive, die zu seinem Umdenken geführt haben – angeblich hat sich Seehofer erst am Samstagnachmittag endgültig entschieden – lässt er im Vagen. Im Vergleich zu 2013 habe sich die weltpolitische Lage ebenso wie die parteipolitische Landschaft verändert, sagt Seehofer. Im Übrigen sei er gesundheitlich fit, noch immer voller Leidenschaft und könne "mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit" den Erfolg bei Wahlen gewährleisten. Das alles habe ihn schließlich bewogen, den Ausstieg aus der Politik zu verschieben.

Das eigentlich Erstaunliche an diesem Tag ist, dass Seehofer trotz seiner eigenmächtigen Art, in der er in den vergangenen Jahren regiert hat, und obwohl er die Landtagsfraktion immer wieder vor den Kopf gestoßen hat, aus den eigenen Reihen keinerlei Kritik für seine Entscheidung zu hören bekommt. Stattdessen gibt es Lob und Zustimmung von allen Seiten. 

Es sei gut, dass jetzt Klarheit herrsche, sagt zum Beispiel der Vorsitzende der bayerischen Jungen Union und Landtagsabgeordnete, Hans Reichhart, ZEIT ONLINE. Mit Seehofer könne man mit einem starken Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden in die kommenden Wahlen ziehen. Oder der CSU-Vize und Vorsitzende der EVP im Europäischen Parlament, Manfred Weber, der Seehofers Durchsetzungsfähigkeit im Bund preist. "Man soll kein erfolgreiches Pferd wechseln, wenn es nicht sein muss", sagt auch CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer.

Söder gibt sich loyal

Und selbst der einzig echte Verlierer des Tages, der bayerische Finanzminister Markus Söder, der bislang als aussichtsreichster Anwärter auf die Seehofer-Nachfolge galt, bleibt öffentlich ganz loyal: "Wenn der Ministerpräsident und Parteivorsitzende weitermacht, hat er meine ehrliche Unterstützung", versichert er.

Kritische Nachfragen, etwa danach, wie lange Seehofer seine Karriere fortzusetzen gedenke, habe es auch während der gesamten CSU-Vorstandssitzung nicht gegeben, heißt es hinterher.

Das dürfte wohl auch damit zu tun haben, dass vielen, die in der CSU als Nachwuchskräfte gelten, der Aufschub gar nicht ungelegen kommt. Da ist zum Beispiel Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Derzeit hätte er gegen Söder keine Chance. Nun hofft er, in der kommenden Legislaturperiode zum einflussreichen CSU-Landesgruppenchef in Berlin aufzusteigen. In diesem Amt könnte er stärker an politischem Profil gewinnen als bisher.

Auch Weber aus dem EU-Parlament gehört zu denen, die wohl nichts dagegen haben, sich noch ein wenig zu gedulden. Zwar scheint er derzeit wenige Ambitionen zu haben, seine Karriere in Brüssel aufzugeben. Auch für ihn gilt aber: Je länger Seehofer bleibt, desto mehr Optionen hat er.

Auch Herrmann profitiert

In einer Sondersituation ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der nun als Spitzenkandidat für die CSU in den Bundestagswahlkampf ziehen soll. Eine Zeit lang schien es, als könnte Seehofer geneigt sein, ihm schon jetzt den Parteivorsitz anzutragen. Zumal Herrmann seine Bereitschaft signalisiert hatte, in die Bundespolitik zu wechseln, was Seehofer zuletzt zur Voraussetzung für den künftigen CSU-Chef gemacht hatte.

Diese Option hatte allerdings Söder verhindert, indem er angekündigt hatte, gegen jeden zu kandidieren, der als CSU-Chef antreten würde – außer gegen Seehofer. Derzeit hätte auch Herrmann im Machtkampf gegen Söder wohl keine Chance. In einigen Jahren könnte das anders sein, zumal wenn es der CSU wirklich gelingt, ihn zum Bundesinnenminister zu befördern. Auch Herrmann profitiert also von Seehofers Rücktritt vom Rücktritt.