Den Tag der größten Niederlage der FDP wird Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nie vergessen. "Am Nachmittag der Bundestagswahl zeichnete sich schon ab, dass es ein schlechtes Ergebnis würde. Trotzdem hat keiner von uns wirklich damit gerechnet, dass wir unter fünf Prozent landen", erzählt die frühere Justizministerin, die zu der Zeit auch stellvertretende FDP-Vorsitzende war, von jenem 22. September 2013.

Seit 1949 hatten die Liberalen dem Bundestag angehört. Sie hatten mit der CDU/CSU und mit der SPD regiert – so lange wie keine andere deutsche Partei in der Nachkriegsgeschichte. 2009 hatten sie mit 14,9 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte geholt. Und dann, vier Jahre später, mit 4,8 Prozent der Absturz. Das parlamentarische Aus. Die FDP schien vor ihrem Ende zu stehen.

Der Schock lähmte viele in der Partei. Die bisherige Parteiführung trat ab, die Abgeordneten mussten ihre Büros räumen, ihren Mitarbeitern wurde gekündigt.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte für Trauerarbeit erst mal keine Zeit, sie musste noch ihr Ministerium übergeben. "Danach hatte ich zunächst keinen konkreten Plan", sagt sie, "obwohl ich schon vorher angekündigt hatte, dass es meine letzte Kandidatur war." Immerhin war sie zu dem Zeitpunkt 62. Aber von der Politik loszulassen fiel auch ihr nicht leicht.

Ihre jüngeren Ministerkollegen traf es härter. Wirtschaftsminister Philipp Rösler erklärte einen Tag nach dem Wahldebakel seinen Rücktritt als Parteichef. Dem damals 40-Jährigen wurde angelastet, den Absturz nicht verhindert zu haben. Rösler fiel jedoch weich. Er bekam sehr schnell ein Jobangebot des Gründers des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Seitdem kümmert sich darum, mit den Kontakten aus seiner Ministerzeit Verbindungen zu Politikern und Wirtschaftsführern in aller Welt für das jährliche Treffen in Davos zu knüpfen.


Interessenkonflikt? Aber nein!

Röslers Wechsel auf den gut dotierten Job in Genf vollzog sich relativ geräuschlos. Anders war es bei Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr. Nach einer Karenzzeit von nur zehn Monaten wechselte er zur privaten Krankenversicherung der Allianz. Anfang 2017 stieg er in deren Vorstand auf. Zwischen Bahr und seinem neuen Arbeitgeber gab es schon eine Verbindung zu seinen Ministerzeiten: den "Pflege-Bahr", eine staatlich geförderte Pflegezusatzpolice, die der Konzern seit 2013 anbietet. 

Der Freidemokrat sah jedoch keinen Interessenkonflikt in seiner neuen Tätigkeit. Im Gegenteil: Der Job sei die logische Fortführung seiner Ausbildung als Gesundheitsökonom und seines langjährigen Engagements im Gesundheitssektor gewesen, verteidigte sich Bahr 2014 und unterstrich, dass er im Gegensatz zu anderen Ex-Ministern nicht als Lobbyist tätig sei.

Eine Anspielung auf den ehemaligen Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Der wechselte Anfang 2015 zum Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall. Dort berät der Bundeswehr-Hauptmann der Reserve, der bis 2009 Generalsekretär der FDP war und sich gerne mit forschen Sprüchen hervortat, seitdem den Vorstand in der internationalen Strategieentwicklung und soll ihn beim Ausbau seiner weltweiten Regierungsbeziehungen unterstützen. Äußern möchte er sich zu seiner Lobbyistentätigkeit nicht, genauso wie Bahr heute.