Es wurde gejubelt, gepfiffen, einige Redner wurden mit Buhrufen bedacht, das Karlsruher Stadtratsmitglied Tom Høyem hielt am Rednerpult seinen deutschen und seinen dänischen Pass hoch, um für den Doppelpass zu werben: Keine andere Diskussion wurde auf dem FDP-Parteitag in Berlin so emotional geführt, wie die um die doppelte Staatsbürgerschaft.

Der Bundesvorstand um Christian Lindner hatte, nachdem es bereits im Vorfeld viele Diskussionen gegeben hatte, einen Kompromissvorschlag eingereicht, der sich im Wahlprogramm wiederfinden sollte: Doppelpass ja, aber nicht unbegrenzt. Nach der dritten Generation von Einwanderern sollte laut dem Vorschlag Schluss mit einer Weitervererbung sein.

Deutschland sei ein beliebtes Einwanderungsland und brauche "ein Einwanderungsgesetz und ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht aus einem Guss", sagte Vorstandsmitglied Johannes Vogel. Ein Vorbild für gelungene Integration sei Kanada. An diesem Regelwerk will sich die FDP orientieren und fordert als Voraussetzung für die Einbürgerung: gute Sprachkenntnisse, eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis seit mindestens vier Jahren, die eigene Sicherung des Lebensunterhalts der Familie, Straflosigkeit, einen bestandenen Einbürgerungstest und das Bekenntnis zur Rechtsordnung des Grundgesetzes.

"Wir brauchen diese Arbeitskräfte"

Knapp zwei Stunden lang diskutierten die Delegierten das Für und Wider. Frank Hoffmeister, der mit einer Bulgarin verheiratet ist und dessen Kinder zwei Pässe haben, teilt die Meinung des Vorstands: "Wir müssen bei denjenigen, die sich einbürgern lassen wollen, differenzieren", sagt er. Voraussetzung sei, dass sie im deutschen Gemeinwesen mitwirken wollten. Wie in Kanada. "Eine homogene Ablehnung des Doppelpasses ist sinnlos."

Die Gegner führten an, dass der Doppelpass die Integration nicht fördere, sondern sie behindere. Vor allem die Jungen Liberalen, wie Marc Isenrath, hielten dagegen und forderten, den Doppelpass nicht zu beschränken. "Eine mehrfache Staatsangehörigkeit macht Sinn. Wir brauchen diese Arbeitskräfte", sagte er. Der Delegierte Claus-Joachim Dickow führte an, dass beispielsweise Iraner gar keine Möglichkeit hätten, sich zu entscheiden: "Sie können ihre iranische Staatsbürgerschaft gar nicht loswerden."

Im Parteiprogramm heißt es nun: Die doppelte Staatsbürgerschaft soll wie bisher auch durch Geburt in Deutschland erworben werden können, allerdings bis maximal zu den der Ersteingebürgerten. Die Debatte um den Doppelpass war in den vergangenen Tagen durch das Türkei-Referendum erneut aufgekommen. Mehrere Politiker der Union stellten die seit 2014 geltende Rechtslage infrage, nach der in Deutschland geborene Kinder von Ausländern in der Regel zwei Pässe behalten dürfen. Kanzlerin Angela Merkel verteidigt sie.