Christian Lindner ist mit breiter Mehrheit als FDP-Vorsitzender bestätigt worden. Der Chef der seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertretenen Liberalen wurde am Freitag beim Parteitag in Berlin mit 91 Prozent wiedergewählt. Lindner erhielt 526 von 578 gültigen Stimmen. Vor zwei Jahren hatte er allerdings 92,4 Prozent bekommen. Lindner sprach von einem "motivierenden Votum".

Mit dieser Rückendeckung will der 38-Jährige seine Partei zurück in den Bundestag führen. In Anspielung auf die 100-Prozent-Wahl des SPD-Vorsitzenden Martin Schulz hatte sich Lindner ein nicht sozialistisches Ergebnis gewünscht.

Die FDP bereitet sich bei ihrem dreitägigen Parteitag auch auf die Wahlen in Schleswig-Holstein am 7. Mai und Nordrhein-Westfalen am 14. Mai vor. Ein Verbleib der FDP in den Landtagen in Kiel und Düsseldorf gilt als sicher.

In NRW tritt Lindner selbst als Spitzenkandidat an, will aber dann für den Bundestag kandidieren. In Schleswig-Holstein ist sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki Spitzenkandidat. Auch er will anschließend für den Bundestag kandidieren. Nachdem die SPD mit ihrer Präferenz für eine Koalition mit der Linkspartei im Saarland gescheitert war, umwerben die Sozialdemokraten verstärkt die FDP als möglichen Koalitionspartner.

Mit Angriffen auf die schwarz-rote Bundesregierung hatte Lindner zuvor in einer 80-minütigen Rede seine Partei auf die anstehenden Wahlen eingeschworen. "Bewegte Zeiten – nichts passiert", sagte er. Zugleich betonte er die Eigenständigkeit seiner Partei: "In die Wahlen dieses Jahres gehen wir ohne Koalitionsaussage."  

Lindner hatte die Führung der Partei im Dezember 2013 nach der historischen Wahlschlappe von Philipp Rösler übernommen. Vorher war er unter anderem stellvertretender Vorsitzender und Generalsekretär der FDP. Für dieses Amt hatte ihn der damalige Vorsitzende Guido Westerwelle von Düsseldorf nach Berlin geholt.

In den vergangenen vier Jahren hat Lindner die Partei in der außerparlamentarischen Opposition neu aufgestellt. In Umfragen liegt sie bundesweit inzwischen meist bei sechs Prozent. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erreicht die FDP in Umfragen um die zehn Prozent.