Robert Habeck kommt gerade von einem Treffen mit Dorschfischern. Er ist noch ganz beseelt. "Ein geiler Termin war das", schwärmt der Grünen-Politiker. Jahrelang hat er sich als Kieler Umwelt- und Landwirtschaftsminister mit den widerspenstigen Fischern herumgestritten. Denn in deren Stellnetzen verfangen sich immer wieder Schweinswale, die dann qualvoll verenden – zur Empörung der Tierschützer. Doch dann erzielte Habeck nach langen Verhandlungen einen Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können.

Nun hat er den Fischern neu entwickelte Warngeräte überreicht, die helle, walähnliche Töne abgeben und die Schweinswale davon abhalten sollen, in die Netze zu schwimmen. "Das kann ein Modellprojekt auch für andere Länder werden", jubelt der stoppelbärtige Grüne.

Seit 2012 regieren die Grünen in Schleswig-Holstein mit der SPD und dem SSW. Pragmatisch, unideologisch, lösungsorientiert, aber nicht kleinlaut: Mit dieser Politik haben sie sich beste Chancen erarbeitet, bei der Landtagswahl am nächsten Sonntag wieder zweistellig abzuschneiden. Damit heben sie sich deutlich von der Bundespartei ab, die seit Monaten im Abwärtstrend steckt und gar fürchten muss, bei der Bundestagswahl im September an der Fünfprozenthürde zu scheitern, genauso wie die Grünen in Nordrhein-Westfalen bei der Landtagswahl am 14. Mai.

Habeck hat einen gehörigen Anteil am Höhenflug seines Landesverbands. Er ist der beliebteste Politiker zwischen Ost- und Nordsee – und das als Grüner in einem strukturschwachen, ziemlich konservativen Agrarland, dessen Landwirte mit Ökolandbau vordem nicht viel am Hut hatten. Wie schafft man das?

"Wir machen bewusst keine Politik allein für das grüne Milieu, sondern für alle. Wir haben uns immer bemüht, Mehrheiten für unsere Ziele zu organisieren. Das ist die Grundlage unserer Erfolge", sagt der promovierte Philosoph und Schriftsteller selbstbewusst. Und so brachte Habeck nicht nur den Fischern nahe, dass sie auch auf Wale achten müssen, und den Bauern, dass sie weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger auf ihren Äckern verteilen sollten, wenn sie die Verbraucher nicht verlieren wollen. Sondern auch den Natur- und Tierschützern, dass er sich auch um das Wohl der Fischer und Landwirte kümmern muss.

"Ich bin bewusst dahin gegangen, wo es wehtut", sagt Habeck. Dazu gehört auch der Streit um weitere Windräder. Das sturmreiche Schleswig-Holstein ist hier Vorreiter, doch viele Anwohner sträuben sich gegen neue Rotoren vor ihrer Haustür. Die Wirtschaft und Bauern, auf deren Land die Anlagen errichten werden, sind jedoch dafür.

Auch hier war Habecks Verhandlungsgeschick gefragt, genau wie bei den Plänen für die neuen Stromleitungen in den Süden. Er brachte die Planer mit Initiativen gegen die Trassen zusammen. Und machte ihnen klar, dass man mit ihm als Multiminister, der auch für die Energiewende zuständig ist, zwar über die Streckenführung reden könne, nicht aber darüber, dass die Leitungen gebaut werden müssen, um den Windstrom weiterzuleiten. Inzwischen gibt es kaum noch Proteste.