Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, hat davor gewarnt, die Regeln für den Alterspräsidenten des Bundestages zu ändern. In einem Interview mit der BILD am Sonntag sagte Wagenknecht, der Bundestag dürfe "der AfD nicht den Gefallen tun, seine Geschäftsordnung an deren Personal auszurichten". Die Aussicht, dass ein Holocaust-Leugner Alterspräsident werden könnte, nannte Wagenknecht "gruselig". Gleichwohl sei nicht ausgemacht, dass die Partei überhaupt in den Bundestag komme.

Hintergrund für Wagenknechts Vorstoß ist das Vorhaben der großen Koalition, die Geschäftsordnung des Bundestages zu ändern, sodass der Alterspräsident nicht mehr nach Lebensjahren, sondern nach Dienstjahren bestimmt wird.

Mit der neuen Regelung hätte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Chancen auf das Amt des Alterspräsidenten. Er ist seit 1972 Mitglied des Bundestags und damit dienstältester Parlamentarier. Die Änderung der Geschäftsordnung soll Ende April vollzogen werden.

Gottberg oder Gauland?

Aktuell ist der CDU-Politiker Heinz Riesenhuber (80) der Alterspräsident des Bundestages. Als ältester Abgeordnete eröffnet er die erste Sitzung des Bundestags nach der Wahl. Riesenhuber erklärte jedoch 2016, er werde bei der Bundestagswahl in diesem Jahr nicht mehr kandidieren.

Dann könnte die Rolle des Alterspräsidenten einem AfD-Politiker zukommen: Der 77-jährige Wilhelm von Gottberg steht auf Platz vier der Kandidatenliste der niedersächsischen AfD. Alternativ könnte der 76-jährige Parteivize Alexander Gauland Alterspräsident werden. Gauland ist Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg und seit 2014 Alterspräsident im Landtag Brandenburg.

Einem Bericht der ZEIT zufolge hatte Gottberg 2001 in einem Artikel für das Ostpreußenblatt den Holocaust als "wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte" bezeichnet. Von Polen und Tschechien hat er eine Entschuldigung für die "völkermordartigen Vertreibungsverbrechen" an den Deutschen verlangt.

Kritik auch von Grünen und AfD

In der Opposition regt sich Widerstand gegen das Vorhaben der großen Koalition: Neben Wagenknecht hat sich auch der Berliner Grünenpolitiker Hans-Christian Ströbele (77) gegen die Idee ausgesprochen. Er gönne es Gauland zwar "überhaupt nicht", Alterspräsident zu werden, aber er habe ein "mulmiges Gefühl, wenn man das jetzt macht", sagte er. Ströbele, der lange Zeit selbst als aussichtsreicher Kandidat für den Posten als Alterspräsidenten galt, hat ebenso wie Riesenhuber angekündigt, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren.

Auch die AfD selbst hat die Pläne der großen Koalition kritisiert. "Was müssen die Altparteien für eine Angst vor der AfD haben, wenn sie jetzt schon zu solchen Tricksereien greifen wollen, nur um zu verhindern, dass wir den Alterspräsidenten im nächsten Deutschen Bundestag stellen könnten", sagte Alexander Gauland.