Bundesaußenminister Sigmar Gabriel will die Bundeswehr aus der Türkei nicht abziehen. "Ich glaube nicht, dass das irgendeinen Eindruck in der Türkei macht", sagte der SPD-Politiker während eines Besuchs im Golfemirat Kuwait. Ein Abzug der Bundeswehr würde laut Gabriel den Sicherheitsinteressen Deutschlands widersprechen. "Ich weiß auch nicht, was das jetzt bringen würde im Verhältnis zur Türkei", sagte er. 

Die Spitzenkandidaten der Linken und der Grünen, Sahra Wagenknecht und Cem Özdemir, hatten den Abzug nach dem Sieg des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan beim Verfassungsreferendum gefordert. Bereits in den vergangenen Monaten kam die Forderung auf, als die Türkei Bundestagsabgeordneten über Monate hinweg den Besuch bei den deutschen Soldaten in Incirlik verweigert hatte. 

Gabriel zufolge gibt es über den Abzug derzeit keine Debatte in der Bundesregierung. Diese hatte Incirlik als Stützpunkt bisher nie in Frage gestellt. Das Verteidigungsministerium hatte jedoch auf Drängen des Bundestags sicherheitshalber Alternativstandorte in Jordanien, Zypern und Kuwait in die Debatte gebracht.

Die Bundeswehr beteiligt sich vom türkischen Incirlik aus mit Tornado-Aufklärungsjets und einem Tankflugzeug an den Luftangriffen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak. Auf der Luftwaffenbasis sind etwa 260 deutsche Soldaten stationiert. Die Basis liegt in der Nähe der südtürkischen Stadt Adana, etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Der Stützpunkt, auf dem türkisches Hoheitsrecht gilt, wird seit den 1950er Jahren auch von den USA genutzt.