Die Bundeswehr muss nach Angaben von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen jeden Tag 4.500 Hackerangriffe abwehren. "Viele dieser Angriffe sind automatisiert. Da versucht ein Computernetzwerk automatisch durch unsere Firewalls zu gelangen", sagte die CDU-Politikerin der Welt am Sonntag. Gefährlicher seien aber "die maßgeschneiderten Angriffe, sogenannte APTs – Advanced Persistent Threats". Hinter einigen dieser komplexen und fortwährenden Attacken vermuten die deutschen Geheimdienste staatliche Akteure.

Präventivschläge gegen die Angreifer schloss von der Leyen aus. "Da ist die Gesetzeslage eindeutig", sagte sie. Darüber hinaus sei der Angreifer schwierig auszumachen. "Es ist ja nicht wie in der konventionellen Kriegsführung, dass an Ihrer Grenze eine feindliche Armee aufzieht. Im Cyberraum kennen wir die Täter oftmals nicht eindeutig."

Anfang April hatte von der Leyen das neue Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr in den Dienst gestellt. Ziel sei, die Internetkompetenzen der Streitkräfte zu bündeln und damit sowohl die Truppe als auch Deutschland insgesamt besser gegen Hackerangriffe zu schützen. In ihrer Rede zur Eröffnung des Kommandos sagte sie, dass sobald ein Angriff die Funktions- und Einsatzfähigkeit der Streitkräfte gefährde, Deutschland sich offensiv verteidigen dürfe. Die Bundestagsmandate würden die Möglichkeiten und Grenzen für Aktionen im Internet bestimmen.

Der Bereich CIR soll eine weitere Streitmacht der Bundeswehr bilden – neben Heer, Luftwaffe und Marine. Bisher arbeiten für diesen Bereich nur wenige Hundert Mitglieder. Bis 2021 sollen rund 13.500 Soldaten und zivile Mitarbeiter die Netze und Waffensysteme der Bundeswehr schützen und für Angriffe bereit sein.