Eigentlich ist Josef Konrad ein einfaches Mitglied der AfD in Bayern. Er hat keine Funktion, kein Mandat, er wurde auf keinem Parteitag gewählt. Doch im Hintergrund ist Josef Konrad zu einer der wichtigsten Figuren im AfD-Kosmos geworden, die Wahlerfolge im vergangenen Jahr hat er überhaupt erst möglich gemacht.

Von Beruf ist Konrad Werbetexter. Mit seiner Agentur Polifakt Medien produzierte er für diverse AfD-Landesverbände interne Zeitschriften und Fraktions-Materialien. Er engagierte sich in der parteiinternen Kampagne zur Abwahl von AfD-Gründer Bernd Lucke und in Bayern entwickelte er Anzeigen für die Partei. In einer Pressemitteilung taucht er daraufhin als Team-Mitglied der Kampagnentruppe AfD inhouse auf. Bis heute wird er als Webmaster bei der AfD in Bayern geführt, inklusive AfD-Emailadresse.

Unter meine-alternative.de verkauft Josef Konrad für Fans der AfD Merchandise-Artikel wie Tassen, Anstecknadeln und Luftballons mit dem Parteilogo. Mitglieder können hier auch direkt Kandidaten-Videos, Infostände im AfD-Design und Wahlplakate ordern. Konrad ist für die Außenwirkung der Partei von zentraler Bedeutung. Im Verborgenen hat er außerdem dafür gesorgt, dass die AfD im Wahlkampf mit Millionen-Spenden unterstützt wird.

Verdeckte Wahlwerbung?

Denn neben all den Jobs, die Konrad für die Partei erledigte, entwickelte Konrad im vergangenen Jahr in seiner Freizeit die Idee eines AfD-Unterstützerkollektivs: die Vereinigung zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten. Ziel der Aktion war damals, mithilfe von Spendengeldern Werbung für die Partei zu machen. Ohne dass potenzielle Gönner ihr Engagement öffentlich machen müssten. Kritiker wie der Verein LobbyControl werfen der Vereinigung darum "verdeckte Wahlwerbung" vor.

Einige Monate war Konrad offizieller Ansprechpartner der Unterstützer-Vereinigung, er registrierte die zugehörige Webseite und stand im Impressum. Die Idee hatte Erfolg: Mit den eingenommenen Spenden ließ die Organisation in den letzten sieben Landtagswahlkämpfen Großplakate drucken, produzierte die Wahlkampf-Postille Extrablatt und inserierte in Zeitungen. Bei Google schaltete der Verein Anzeigen und programmierte darüber hinaus das Online-Spiel Wahlometer. Allein die Druck- und Vertriebskosten des Werbematerials belaufen sich bislang auf eine zweistellige Millionensumme. Ein riesiges Geschenk für die AfD. Doch ist eine solche Art der Wahlkampfhilfe überhaupt legal?

Noch von Parteienrecht gedeckt?

Den Stuttgarter Nachrichten sagte Konrad im März 2016, seine Aktivitäten seien "in keinster Weise mit der AfD abgesprochen". Auch die Partei beteuerte immer wieder, weder den Verein noch dessen Personal zu kennen. Nur diese offizielle Abgrenzung macht die Arbeit des Vereins überhaupt möglich. Denn bestünden detaillierte Absprachen, würden die Plakate und Flyer gemäß des Parteiengesetzes als verdeckte Spende gelten. Entsprechend könnte die AfD zu hohen Strafzahlungen verurteilt werden.

Der ZEIT und ZEIT ONLINE liegen nun jedoch interne Dokumente der AfD vor, die Zweifel an der Unabhängigkeit des Unterstützervereins aufkommen lassen. Unter anderem aus E-Mails geht hervor, dass Josef Konrad Anfang 2016 als Wahlkämpfer für die AfD in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aktiv war, gleichzeitig aber die millionenschwere Unterstützerinitiative gründete. Handelt es sich dabei um eben jene enge Kooperation zwischen Gönnerverein und Empfängerpartei, die das Parteienrecht doch eigentlich verbietet?

Frauke Petry - "Die AfD muss ihr Profil weiter schärfen" Trotz des Wahlerfolges in NRW wüssten viele Wähler noch nicht, wofür die AfD stehe, sagte die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry. © Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa