Der Spitzenkandidat der AfD hat das schwache Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein unter anderem damit begründet, dass derzeit weniger Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Allerdings gehe er davon aus, dass sich dies schon bald wieder ändern werde, sagte Gauland. "Das Thema wird uns nicht verlassen." So sei zu erwarten, dass viele Flüchtlinge, die von Libyen über das Mittelmeer nach Europa kämen, weiterziehen würden, wenn "Italien plötzlich Probleme hat mit seinen Banken". 

Als weiteren Grund für das Ergebnis führte Gauland den parteiinternen Streit an. Es sei völlig klar, dass die Wähler es "nicht besonders attraktiv finden", wenn es Streit in einer Partei gebe. Diese Zeit sei aber zu Ende, nun trete die AfD geschlossen auf.

AfD-Chef Jörg Meuthen führte als weiteren Grund "Störversuche von politischen Gegnern" an. So seien etwa Veranstaltungen behindert und Plakate abgerissen worden.

Die AfD hatte in Schleswig-Holstein am Sonntag 5,9 Prozent der Stimmen erhalten und zieht damit erstmals in den Kieler Landtag ein. Die Partei ist damit in zwölf Landesparlamenten vertreten. Bei allen anderen Landtagswahlen des vergangenen Jahres hatte die AfD allerdings zweistellige Ergebnisse erzielt.

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Auf dem Parteitag Ende April hatte sich die Parteiführung einen Streit geliefert. Parteichefin Frauke Petry wurde abgestraft. Zu den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl wurden Gauland und Vorstandsmitglied Alice Weidel gewählt. Bei der Pressekonferenz am Montag in Berlin fehlte die hochschwangere Petry. Co-Parteichef Jörg Meuthen sagte, sie habe aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Die zweite Spitzenkandidatin, Alice Weidel, reagierte leicht gereizt, als Journalisten sie auf den Wohnsitz ihrer Familie in der Schweiz ansprachen. "Es ist ganz klar und eindeutig steuerrechtlich definiert, wenn sie in Deutschland gemeldet sind, dann zahlen sie auch hier ihre Steuern. Punkt", sagte sie.

"FN hat ultrasozialistische Handschrift"

Angesprochen auf die Wahl in Frankreich und die rechtsextreme Politikerin des Front National (FN), Marine Le Pen, sagte Weidel, der FN vertrete "radikalsozialistische Positionen". Le Pen habe ihren Konkurrenten Emmanuel Macron in der Innen- und Wirtschaftspolitik sowie beim Thema Arbeitnehmerrechte links überholt. "Der Front National hat eine ganz klare ultrasozialistische Handschrift", sagte Weidel.

Gauland sagte, das Spitzentreffen europäischer rechtspopulistischer Parteien im Januar in Koblenz sei aber kein Fehler gewesen. An dem Treffen hatte Parteichefin Frauke Petry teilgenommen. Organisiert wurde es von Petrys Ehemann, dem Europa-Parlamentarier Marcus Pretzell. "Wir haben immer gesagt, dass wir außenpolitisch ähnliche Ziele haben", sagte Gauland mit Blick auf den FN. Die Wahl in Frankreich habe jedoch eine stärkere innenpolitische Seite. "Und da – sage ich noch einmal – geht uns das nichts an, was die Franzosen entschieden haben."