Die AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, zahlt laut einem Medienbericht in der Schweiz Steuern. "Man kann davon ausgehen, dass alle steuerlichen Aspekte, die mit einer Anmeldung in Biel verbunden sind, abgedeckt sind", sagte der Bieler Steuerverwalter Urs Stauffer der NZZ am Sonntag. Schweizer Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, Weidel, die ihren Wohnsitz in Überlingen am Bodensee hat, bewohne mit ihrer Partnerin und den beiden Jungen auch eine Wohnung im schweizerischen Biel.

Die 38-Jährige teilte mit, dass die Verhältnisse steuerrechtlich klar definiert seien. Details etwa zur Frage, wo sie Steuern bezahlt, nannte Weidel nicht. Die AfD-Politikerin sagte, sie habe ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, hier sei sie auch gemeldet. Ihre aus der Schweiz stammende Lebenspartnerin, die Mutter der gemeinsamen Kinder, arbeite in der Schweiz. Die Kinder lebten bei ihrer Mutter im Nachbarland, sagte Weidel. Sie selbst versuche, wie jedes berufstätige Elternteil, möglichst viel Zeit dort mit ihnen zu verbringen. Daran sei nichts zu kritisieren.

Nach einer neuen Studie der OECD liegt die Abgaben- und Steuerlast in Deutschland etwa für Alleinstehende bei 49,4 Prozent, in der Schweiz bei 21,8 Prozent. Alleinstehende zahlen in Deutschland nach diesen Angaben 19,9 Prozent Einkommenssteuer, in der Schweiz 10,0 Prozent.

Weidel kritisiert die Medien

Die 38-Jährige findet das mediale Interesse an ihrem Privatleben völlig überzogen. "Meine Partnerin und ich bedauern es zutiefst, wie die Medien in den letzten Tagen versucht haben, unsere intimste Privatsphäre an die Öffentlichkeit zu zerren, um haltlose Storys zu produzieren", sagte sie. "Ich appelliere deshalb an alle Medienvertreter, dies aus Respekt vor meiner Familie zukünftig zu unterlassen."

Weidel betonte, sie habe niemals vorgehabt, ihr Privatleben politisch zu instrumentalisieren, etwa um der AfD einen moderneren, liberalen Anstrich zu geben. Dass sie ihr Leben mit einer Frau teile, sei in einer Fernsehsendung – für sie selbst überraschend – erstmals thematisiert worden. "Ich bin damit bestimmt nicht hausieren gegangen, das wurde dank einer Talkshow öffentlich", sagte Weidel.

Einen Widerspruch zwischen ihrem Familienmodell und ihrer Mitgliedschaft in einer Partei, die sich für die "traditionelle Familie" einsetzt, sehe sie nicht, sagte die Unternehmensberaterin. Die AfD sei für die Beibehaltung des gesetzlichen Status quo und befürworte damit auch die eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare. Außerdem stehe die AfD dem Islam kritisch gegenüber, lehne die Eurorettungspolitik ab und trete für sichere Grenzen ein. Weidel sagte, mit all diesen Positionen könne sie sich voll und ganz identifizieren.

Die AfD hatte die als wirtschaftsliberal geltende Weidel und den nationalkonservativen Parteivize Alexander Gauland am 23. April zu ihren Spitzenkandidaten für die Bundeswahl gewählt.