An einem Nachmittag im April besucht Armin Laschet die neueröffnete Landesgartenschau in Bad Lippspringe. Er bewundert die prachtvollen Blumenrabatten und pflanzt eine Eßkastanie. Ganz zum Schluss fragt ihn einer der Mitarbeiter, was ihm denn besonders gefallen habe. Der Wahlkämpfer und CDU-Vorsitzende von Nordrhein-Westfalen überlegt. "Diese Verbindung von Wald und Garten, die finde ich interessant", antwortet er. Der Gartenschaumitarbeiter muss lachen: "Das hat die Kraft auch gesagt."

"Die Kraft" ist die Konkurrentin von Armin Laschet, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft von der SPD. Eigentlich muss Laschet derzeit versuchen, möglichst wenig zu klingen wie sie. Schließlich will er die Wähler in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland davon überzeugen, dass sie bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag ihm und nicht ihr ihre Stimme geben.

Aber wie bei Wald und Garten so ist es auch bei vielen politischen Themen: Zwischen dem christlich-sozial geprägten Ex-Integrationsminister Laschet und der nüchternen Sozialdemokratin Kraft sind die inhaltlichen Übereinstimmungen oft größer als die Gegensätze.

Bei der Bildungspolitik zum Beispiel. In der vergangenen Legislaturperiode hat die rot-grüne Landesregierung die Integration von behinderten Kindern in Regelschulen massiv vorangetrieben, was ihr viel Kritik einbringt. "Inklusion, das wollen wir auch", sagt Laschet beim Bürgerfrühstück mit Rentnern im beschaulichen Soest. "Nur eben nicht mit der Brechstange".

Oder bei der Energiepolitik: "Natürlich brauchen wir den Einstieg in die regenerativen Energien", versichert Laschet, während sein Wahlkampfbus an Windkraftanlagen im Paderborner Land vorbeifährt. "Aber man muss es verträglich machen". Und als Kraft einige Tage später beim TV-Duell auf die Frage, ob der Islam zu Nordrhein-Westfalen gehöre, ausführt, jeder, der hier Steuern zahle und sich an Recht und Gesetz halte, sei für sie Nordrhein-Westfale, fällt Laschet dazu nur ein Wort ein: "Stimmt".

Nein, Laschet ist keiner, der Dinge nur deshalb falsch findet, weil der politische Gegner sie auch vertritt. Für ihn ist es nur redlich, daran auch in Wahlkampfzeiten festzuhalten. Seiner Partei macht er es damit nicht immer leicht.

"Wir sind schleppend in den Wahlkampf gestartet", heißt es in der CDU. Laschets Strategie sei es, alle Kräfte auf die letzten Wahlkampfwochen zu konzentrieren. Das könnte sich durchaus als richtig erweisen. Aber er habe es versäumt, die eigenen Leute frühzeitig zu motivieren.

Zufrieden als Vize?

Hinzu kam der Schulz-Effekt. Drei Jahre lang hatte die CDU in den Umfragen vor oder gleichauf mit der SPD gelegen. Nach der Nominierung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten setzten sich die Sozialdemokraten zeitweise mit 14 Prozentpunkten von der CDU ab. Dass Laschet in einem Interview dann noch sagte, er könne auch Vize-Ministerpräsident werden, machte auf viele Parteifreunde den Eindruck, er glaube selbst nicht an einen Sieg.

Doch mittlerweile hat sich die Stimmung verändert. Bereits der Erfolg von Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland Ende März hatte auch der CDU in Nordrhein-Westfalen einen Schub gegeben. Das gilt erst recht für den Sieg des weitgehend unbekannten CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther in Schleswig-Holstein am vergangenen Sonntag. Auch in den Umfragen geht es nach oben. Zuletzt lagen CDU und SPD in NRW wieder gleich auf.  Und der Spitzenkandidat scheint sich die Kritik an seiner Person zu Herzen genommen zu haben. Er tritt nun kämpferischer auf und lässt Differenzierungen auch mal weg. 

Wahlkampfhit Innere Sicherheit

Besonders deutlich wird das beim Thema Innere Sicherheit. In keiner Rede verzichtet er darauf, der Landesregierung die hohen Einbruchszahlen in Nordrhein-Westfalen um die Ohren zu hauen und die Einführung der Schleierfahndung zu fordern. Oder er arbeitet sich an SPD-Innenminister Ralf Jäger ab, den er auch wegen seines Umgangs mit dem Fall des Berliner Attentäters Anis Amri als Sicherheitsrisiko schmäht. Auf einem Wahlplakat, das eine Zeitlang das Land zierte, klang die CDU fast schon wie eine Protestpartei und kaum noch nach dem redlichen Laschet. "Ich fühle mich hier nicht mehr sicher. Warum tun die nichts? Uns reicht's", hieß es da. Ohne den Zusatz "Wir wählen CDU" hätte man das auch für Werbung der AfD halten können. In der letzten Wahlkampfwoche setzt man nun allerdings wieder auf positive Botschaften.

Ob die Betonung der Inneren Sicherheit für die CDU in Nordrhein-Westfalen ähnlich gut funktioniert wie für die Parteifreunde in Schleswig-Holstein, ist jedoch fraglich. Denn während der dortige Spitzenkandidat Günther den meisten Wählern unbekannt war und sie ihm deshalb jede Positionierung erst mal abnahmen, dürfte die Mehrheit der Nordrhein-Westfalen mit Laschet etwas anderes verbinden. Schließlich zählte er bei den Sicherheitsdebatten der vergangenen Jahre nie zu den Hardlinern in der CDU, sondern immer zu denen, die vor Übertreibungen warnten.

Als CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Laschet vor zwölf Jahren zum ersten Integrationsminister Nordrhein-Westfalens machte, wurde er schnell über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Aber nicht, weil er so harte Positionen vertrat. Sondern weil er für CDU-Verhältnisse ungewohnt differenziert und offen über das Thema sprach. Türken-Armin, wurde er damals in der Partei genannt.

Merkels eifriger Verteidiger

Laschet lag von Anfang an auf der Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Bundes-CDU schließlich auch dazu bringen wollte, ihr Verhältnis zum Thema Zuwanderung zu überdenken. Als Merkel dann im vergangenen Jahr wegen ihrer Flüchtlingspolitik angegriffen wurde, war Laschet einer ihrer eifrigsten Verteidiger. Davon ist er auch nicht abgerückt. Im kleinen Bad Sassendorf beispielsweise besucht er auf seiner Wahlkampftour ein Mehrgenerationenhaus. Hier bieten Ehrenamtliche Sprachkurse für Flüchtlinge an. Laschet ist begeistert. "Das ist die Übersetzung von 'Wir schaffen das' auf Bad Sassendorf", sagt er.

Doch er bedient längst eben auch das andere Lager. Vor den Rentnern, die in Soest zum Bürgercafé gekommen sind, fordert Laschet, dass kriminelle Flüchtlinge das Land sofort verlassen müssten und beklagt einen Mangel an Abschiebehaftplätzen.

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