Der neueste Fanclub von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ein Durchschnittsalter von mehr als 70 Jahren: Am Donnerstag stellte der CSU-Ehrenvorsitzende und frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel in München einen von ihm initiierten Unterstützerkreis vor, der für eine weitere Kanzlerschaft von Merkel wirbt. Der 78 Jahre alte Waigel organisierte dazu vor allem CSU-Altvordere um sich, darunter Ex-Parteichef Erwin Huber (70), der ehemalige Kultusminister Hans Maier (85) und der langjährige Landtagsfraktionschef Alois Glück (77).

Obwohl die Initiative als Reaktion auf den von CSU-Chef Horst Seehofer und anderen Christsozialen heftig geführten Streit um die Flüchtlingspolitik Merkels gegründet worden war, betonte Waigel das "Einvernehmen mit der Partei" und mit Seehofer. Dieser sei in die Pläne eingeweiht und damit sehr einverstanden gewesen. 

Im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Zweifel daran gegeben, ob die CSU Merkel als Kanzlerkandidatin unterstützen würde. Seehofer selbst hatte das mehrfach infrage gestellt und die Entscheidung bis Anfang dieses Jahres hinausgezögert. "Die Unionsparteien müssten geschlossen in den Bundestagswahlkampf gehen", sagte Waigel. Bereits im März hatte er kritisiert, dass der Streit zwischen CDU und CSU zu lange gedauert habe.  

Waigel verteidigte Merkel zudem gegen Kritik aus der CSU. "Ich sehe keinen Punkt, wo sie wesentliche Standpunkte der Union aufgegeben hätte." Rege Aktivitäten plant die Gruppe allerdings derzeit nicht. "Ein bis zwei Anzeigen" wolle man schalten, in der kommenden Woche werde es auch ein Treffen mit Merkel geben.

Anders als Waigel kritisiert der frühere Kultusminister Maier die aktuelle CSU-Führung. Er sei für Merkel, weil sie immer gewusst habe, dass eine gespaltene Union nicht gewählt werde – "andere hatten das zwischenzeitlich vergessen". Auch stehe er zur Kanzlerin, weil sie sich "mit Würde hat abkanzeln lassen". Die öffentliche Demütigung durch Seehofer auf dem CSU-Parteitag gilt als einer der Tiefpunkte im Verhältnis der Schwesterparteien.

Waigel sieht die Initiative auch als Versuch, diejenigen in Bayern anzusprechen, die die im Freistaat nicht antretende CDU wählen würden, wegen des Flüchtlingsstreits aber nicht mehr CSU wählen wollen. "Wir wollen denen gerade eine Brücke bauen." Der Süddeutschen Zeitung hatte Waigel gesagt, diesen Wählern müsse man zeigen, dass die CSU aus mehr Personen bestehe, als nur aus Seehofer und dem ebenfalls merkelkritischen Finanzminister Markus Söder. Auch Glück hatte bereits bei früherer Gelegenheit davor gewarnt, dass der CSU wegen ihrer Flüchtlingspolitik der Rückhalt in kirchlichen Kreisen verlorenzugehen drohe.