Die SPD will am Montagnachmittag nun doch wie geplant die Eckpunkte ihres Wahlprogramms präsentierten. Am späten Sonntagabend hatte die Partei das Pressegespräch zur Präsentation der Kerninhalte, mit denen Kanzlerkandidat Martin Schulz in den Bundestagswahlkampf ziehen will, zunächst abgesagt.

Der Leitantrag werde im Parteivorstand beraten, beschlossen und anschließend vorgestellt, sagte ein Parteisprecher. Die genaue Uhrzeit stehe noch nicht fest.

Aus dem Parteivorstand gibt es zahlreiche Änderungsanträge, die am Montag noch beraten werden sollten. Den Entwurf der Parteispitze für das Wahlprogramm hätten die Leiter der SPD-Programmkommission, Fraktionschef Thomas Oppermann, Generalsekretärin Katarina Barley und Familienministerin Manuela Schwesig präsentiert. Das Programm soll am 25. Juni bei einem Parteitag in Dortmund beschlossen werden.

Bundestagswahlen - Wo sind bloß die Unterschiede? Der Wahlkampf ist eröffnet, doch CDU und SPD halten sich zurück mit klaren Positionierungen. Ein vorläufiger Vergleich. © Foto: ZEIT ONLINE

Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit, hieß es aus SPD-Kreisen. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs hatte am Montagmorgen im Deutschlandfunk erklärt, die Präsentation sei verschoben worden, da es noch Beratungsbedarf unter anderem zum Renten- und Steuerkonzept gebe. "Es gab zu viele Änderungsanträge. Man wollte das genauer rechnen", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises.

Die SPD will neben der sozialen Gerechtigkeit die Bürger bei Sozialabgaben entlasten. In der Inneren Sicherheit fordern die Sozialdemokraten mehr Polizisten. Die besonders heiklen Konzepte für Steuern und Rente sind noch nicht fertig.

Nach den drei Niederlagen bei den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und im SPD-Stammland Nordrhein-Westfalen such die Partei nach einer neuen Strategie. "Jetzt haben wir eine Durststrecke, jetzt haben wir harte Tage hinter uns", sagte Parteichef und Kanzlerkandidat Schulz bei einem Landesparteitag in Schweinfurt. Die aktuelle Lage sei aber kein Grund zu verzweifeln. Zum Wahlprogramm sagte Schulz: "Was ich will, ist ein großer Wurf, ein nationaler Bildungspakt für Investitionen in Bildung, Forschung und den ländlichen Raum und keine hohlen Steuerversprechen, die eh kein Mensch mehr braucht." Stattdessen müsse in Deutschland mehr investiert werden. "Wir haben fast 140 Milliarden Euro Investitionsstau", sagte Schulz. Deutschland lebe seit Jahren von seiner Substanz. Der Verfall von Schulen, Straßen, Gebäuden und Universitäten gehe zulasten von Wohlstand und Zukunft.