Der Bundeswehrverband hat sich schockiert über die Vorwürfe von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gezeigt. "Politiker an Bundeswehrstandorten, Menschen aus der Bundeswehr und Angehörige, viele Soldaten im Auslandseinsatz – alle sind über diese Verallgemeinerungen entsetzt", sagte der Vorsitzende des Verbandes, André Wüstner, der Augsburger Allgemeinen. Von der Leyen hatte nach Bekanntwerden des Terrorverdachts gegen einen Soldaten strukturelle Probleme bei der Bundeswehr eingeräumt.

Wie solle man das einem Soldaten, der in Mali unter schwierigsten Bedingungen mit zum Teil nur bedingt guter Ausrüstung Dienst tue, erklären, fragte Wüstner. Er warf von der Leyen vor, mit ihrer Kritik eine weitere Schädigung des Verhältnisses zwischen Bundeswehr und Politik in Kauf zu nehmen. "Ich erwarte von ihr, dass sie umgehend Transparenz schafft, wie der Vorwurf, dass die gesamte Bundeswehr ein Problem mit Führung und Haltung hat, zu rechtfertigen ist."

Von der Leyen müsse ihre Aussagen schnell zurechtrücken und einordnen, "sonst wird das die Motivation der Truppe tiefgreifend beeinflussen und auch das Vertrauen in die politische Führung schwächen – und das ist schon jetzt nicht mehr sehr groß", sagte Wüstner der Passauer Neuen Presse.

Auch aus dem politischen Gegenlager kam Kritik: Der stellvertretende Vorsitzende der SPD, Ralf Steger, sagte dem Tagesspiegel: "Wer nach drei Jahren im Amt über ein breites Führungsversagen in der Bundeswehr klagt, der klagt sich selbst an." Die Bundesverteidigungsministerin habe demnach "ausreichend Zeit gehabt, um die Missstände abzustellen".

In einem Interview mit dem ZDF am Sonntag hatte von der Leyen gesagt: "Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem, und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen." In einem offenen Brief an die Angehörigen der Bundeswehr schrieb sie, dass die jüngsten Skandale in der Truppe keine Einzelfälle mehr seien.

Der Oberleutnant Franco A. sitzt seit seiner Festnahme am Mittwoch in Frankfurt in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Rechtsextremist soll als Flüchtling getarnt eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. Nach Angaben von Ermittlern führte der Mann aus Offenbach eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern. Auch ein 24-jähriger mutmaßlicher Komplize sitzt in Untersuchungshaft.

Von der Leyen bestätigte, dass die rechtsextreme Gesinnung des Soldaten den Vorgesetzten schon länger bekannt war. Seine Masterarbeit von 2014 habe "ganz klar völkisches, dumpfes Gedankengut", sagte die Ministerin.