Bundeswehr - Haftbefehl gegen zweiten Bundeswehrsoldaten Im Fall des terrorverdächtigen Bundeswehrsoldaten Franco A. ist ein mutmaßlicher Mitwisser verhaftet worden. Sie sollen gemeinsam eine staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. © Foto: Frederick Florin/AFP/Getty Images

Im Fall des terrorverdächtigen und mutmaßlich rechtsextremen Bundeswehrsoldaten Franco A. ist ein dritter Verdächtiger festgenommen worden. Nach Informationen von ZEIT ONLINE handelt es sich um Maximilian T., einen Oberleutnant. Er war am selben Standort stationiert wie Franco A.. Damit verdichten sich die Anzeichen weiter, dass es ein rechtsextremes Netzwerk in der Bundeswehr gab. Inzwischen hat ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen T. erlassen.

Der Generalbundesanwalt wirft Maximilian T. die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Oberleutnant offenbar die Legende kannte, mit der sich Franco A. als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte. Er soll Franco A. in der Kaserne entschuldigt haben, wenn der sich in seiner Flüchtlingsunterkunft meldete und sein Unterstützungsgeld bei der zuständigen Behörde abholte. Laut Süddeutscher Zeitung war T. dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) bereits 2015 wegen vermeintlich rechtsextremer Äußerungen aufgefallen. Die Akte gegen ihn soll allerdings aus Mangel an Beweisen wieder geschlossen worden sein.

Beide Männer dienten im Jägerbataillon 291 im elsässischen Illkirch, dem Standort der Deutsch-Französischen Brigade. Maximilian T. soll zudem Mitglied in einer WhatsApp-Gruppe gewesen sein, in der sich Franco A. mit Gleichgesinnten austauschte.

Liste mit Anschlagszielen

Schon in der vergangenen Woche hatte DIE ZEIT berichtet, dass die Ermittler Maximilian T. eine handschriftliche Liste zuordnen, auf der Prominente genannt werden, die als Anschlagsziele gelten. Genannt werden unter anderem Justizminister Heiko Maas, der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, die Linken-Aktivistin Anne Helm sowie Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit.

Das bestätigte die Bundesanwaltschaft: Die möglichen Anschlagsopfer seien auf einer Todesliste nach Kategorien angeordnet. "Die Beschuldigten hatten ihre möglichen Anschlagsopfer in einer Liste unter verschiedenen Kategorien erfasst – konkret den Kategorien A, B, C und D", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Als Kategorie A seien unter anderem Maas und Gauck aufgeführt worden.

T. soll "aus einer rechtsextremistischen Gesinnung heraus" gemeinsam mit Franco A. und dem ebenfalls Ende April festgenommenen Studenten Mathias F. einen Anschlag geplant haben. Die Ausführung der Tat sollte den Ermittlern zufolge Franco A. übernehmen, der vor zwei Wochen festgenommen worden war. Mathias F. ist ein Student und Bekannter von Franco A..

"Riesen-Blamage für von der Leyen"

Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann müsse man davon ausgehen, dass sich eine "Terrorzelle innerhalb der Bundeswehr gebildet" habe. "Das ist eine Riesen-Blamage für die Verteidigungsministerin von der Leyen", sagte er.

Franco A. soll – getrieben von fremdenfeindlichen Motiven und unterstützt von seinen beiden mutmaßlichen Komplizen – einen Anschlag "auf das Leben hochrangiger Politiker und Personen des öffentlichen Lebens" geplant haben. Die Ermittler nehmen an, dass die Tat als radikal-islamistischer Terrorakt eines anerkannten Flüchtlings getarnt werden sollte. Die Bundeswehr hatten schon 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers. Daraus waren damals jedoch keine Konsequenzen gezogen worden.

Am Sonntag hatte Generalinspekteur Volker Wieker die Durchsuchung sämtlicher Bundeswehrgebäude angeordnet, nachdem in mehreren Kasernen Wehrmachtsdevotionalien gefunden worden waren. Auch im Freizeitraum der Kaserne in Illkirch hatten die Ermittler Andenken an die Wehrmacht entdeckt.