Der unter Terrorverdacht stehende rechtsextreme Bundeswehr-Offizier Franco A. hat sich auf seine Rolle als falscher syrischer Flüchtling offenbar intensiv vorbereitet. Nach Informationen des Spiegels sagte ein Soldat aus, A. habe ihn ausgefragt, wie genau die Befragung bei Asylanträgen ablaufe und welche Belege die meisten Flüchtlinge bei sich hätten. Der Soldat, der zum selben Jägerbataillon wie A. gehört, hatte während der Flüchtlingskrise in der Asylverwaltung ausgeholfen.

Franco A. war Ende 2015 als "Syrer David Benjamin" bei den Behörden vorstellig geworden. Im Mai 2016 stellte er einen Asylantrag. Obwohl der vermeintliche Syrer kein Arabisch sprach, erhielt er im Dezember 2016 einen eingeschränkten Schutzstatus. 

Bamf-Präsidentin Jutta Cordt sprach von einer "Fehlentscheidung, wie sie nicht passieren darf". Die Verfahrensbeteiligten hätten nicht korrekt gearbeitet. Cordts Behörde zog nun erste Konsequenzen und hat die beteiligten Dolmetscher für weitere Einsätze gesperrt. Zudem sollen langjährige Mitarbeiter rund 2.000 positive Asylentscheidungen von Menschen aus den Herkunftsländern Syrien und Afghanistan erneut überprüfen. Die Prüfung werde "zeitnah" erfolgen. Danach würde über weitere Konsequenzen entschieden.

Der Fall hat auch politische Folgen. Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der Truppe  "falsch verstandenen Korpsgeist" sowie ein "Haltungsproblem" und "Führungsschwäche" vorgeworfen hatte, wurde sie stark kritisiert.

Seitdem bemüht sich die Ministerin um ein differenzierteres Bild der Truppe. Am Mittwoch reiste sie mit viel Pressebegleitung ins elsässische Illkirch, wo Franco A. stationiert war und Wände mit Wehrmachtsdevotionalien dekoriert hatte. Auch dieser Besuch wurde kritisiert. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Wolfgang Hellmich (SPD), sagte etwa der Passauer Neuen Presse, es dränge sich der Verdacht auf, es gehe der Ministerin "um eine Inszenierung von Handlungsfähigkeit". Es gelte, Showeffekte zu vermeiden. Am Donnerstag bestellte sie dann rund 100 Spitzenkräfte der Bundesregierung ins Verteidigungsministerium, dieses Mal ohne Presse.

Am Freitag hatte sich von der Leyen schließlich entschuldigt. Die 250.000 Bundeswehrangehörigen leisteten einen "unverzichtbaren Dienst für unser Land", sagte sie bei ihrem Treffen mit etwa 100 Generälen und zivilen Führungskräften laut Teilnehmern in Berlin. Dafür gebühre den Frauen und Männern Dank und Anerkennung. "Ich wünschte, ich hätte diese Sätze am Wochenende in dem Fünf-Minuten-Interview über den Rechtsextremisten vorweggesagt. Es tut mir leid, dass ich es nicht getan habe."