Nach dem Skandal um den als Syrer getarnten Bundeswehrsoldaten fordert die CSU vom Bundesflüchtlingsamt, seine Asylentscheidungen strenger zu kontrollieren. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge muss neue und innovative Wege beschreiten, um im Asylverfahren die Identitätsklärung zu verbessern", sagte der CSU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der Welt am Sonntag. Konkret verlangte er unter anderem, dass für jeden Asylbewerber standardmäßig bei einem Dolmetscher eine Einschätzung zur Herkunft eingeholt wird und dass der für die Befragung zuständige Anhörer auch über den Asylantrag entscheidet und nicht ein sogenannter Entscheider nur nach Aktenlage.

Falsche Angaben zur Identität sollten automatisch zur Aberkennung des Asylstatus führen, verlangte Herrmann weiter. "Es gibt für den wirklich Schutzbedürftigen keinerlei Grund, zu seiner Identität falsche oder unvollständige Angaben zu machen."

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sagte, Informationslücken über Asylbewerber müssten durch Nachkontrollen "wieder gefüllt werden". Bis zum März 2016 waren Asylanträge von Syrern ohne Anhörung allein auf der Basis schriftlicher Unterlagen bearbeitet worden.

Das Bundesflüchtlingsamt überprüft nach dem Auffliegen des als Flüchtling getarnten Bundeswehrsoldaten Franco A. 2.000 bereits abgeschlossene Asylverfahren. Es befürchtet aber, dass dies den Abbau der Menge unabgeschlossener alter Verfahren verzögern könnte, wie eine Sprecherin der Welt am Sonntag sagte. Die Nürnberger Behörde räumte der Zeitung zufolge auch ein, dass trotz des hohen Arbeitsaufwands Personal abgebaut wurde: Die Mitarbeiterzahl sank demnach von 9.754 Anfang Dezember auf rund 7.900 Anfang April. Der Grund seien zeitlich befristete Abordnungen, die nun ausgelaufen seien.