16 Frauenverbände haben gemeinsame Forderungen an die deutschen Parteien zur Bundestagswahl 2017 gestellt. In ihrer Berliner Erklärung formulieren sie gleiche Teilhabe und gleiche Bezahlung für Frauen als zentrale Forderungen an die Politik. Außerdem sollen die Parteien Verbindlichkeit, Transparenz und Überwachung des Fortschritts bei der Gleichstellung der Geschlechter verbessern.

Die beteiligten Verbände hatten sich 2011 mit Parlamentarierinnen mehrerer Bundestagsfraktionen zu einer Berliner Erklärung zusammengeschlossen, "um die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen voranzubringen", wie es auf der Website des Bündnisses heißt. Das Bündnis richtet sich nicht nur an die Parteien, die zur Bundestagswahl antreten, sondern explizit auch an Privatwirtschaft, Wissenschaft, Medizin und den Medien- und Kulturbetrieb.

In der Erklärung zur Bundestagswahl 2017 kritisieren die Initiatoren, die Gleichberechtigung von Frauen in Arbeitswelt und Gesellschaft komme "zu langsam und nicht entschieden genug voran". Sie verstehen die in der nächsten Legislaturperiode anstehenden Jahrestage im Kampf für Frauenrechte als Ansporn für weiteren Fortschritt: 2019 jährt sich die Einführung des Frauenwahlrechts zum 100. Mal und das Grundgesetz mit Gleichberechtigungsartikel (Artikel 3 Absatz 2 GG) wird dann seit 70 Jahren gelten.

Konkrete Forderungen umfassen eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in Führungsgremien und Aufsichtsräten inklusive wirksamer Sanktionen, die Vergabe von Fördermitteln und öffentlichen Aufträgen zu 40 Prozent an Frauen, sowie die Verabschiedung eines Paritätsgesetzes in der kommenden Legislaturperiode.

Die Berliner Erklärung umfasst auch allgemeinere Forderungen, etwa zur Familien- und Bildungspolitik: Das Ehegattensplitting etwa soll in seiner jetzigen Form abgeschafft werden, schreiben die Initiatorinnen. Und in der Schule wünschen sich die Autoren zwei neue Pflichtfächer – Wirtschaft und Lebensökonomie sowie Informatik und Technik.

Zu dem Bündnis gehören unter anderen der Deutsche Frauenrat, der Deutsche Ärztinnenbund, das Bündnis Pro Quote und der Journalistinnenbund. Unterstützt werden die Verbände nach eigenen Angaben von zahlreichen Mitgliedern des Bundestages.