NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihren Rücktritt als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und als SPD-Landesvorsitzende erklärt. Sie übernehme damit die Verantwortung für die schwere Niederlage der SPD bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, sagte Kraft in Düsseldorf. Dem bevölkerungsreichsten Bundesland steht ein Regierungswechsel bevor. 

Wahlsieger Armin Laschet hat den Wahlsieg als klaren Auftrag für eine andere Politik in NRW bezeichnet. "Heute ist ein guter Tag für Nordrhein-Westfalen", sagte er. Die CDU habe ihre beiden Wahlziele erreicht, "Rot-Grün zu beenden und die stärkste politische Partei zu werden". Die Bürger hätten eine "klare Entscheidung getroffen", sagte Laschet. Sie wollten eine andere Politik bei Themen wie innere Sicherheit, Bildung, Schulen, Infrastruktur. "Wir wollen nicht mehr Schlusslicht sein, sondern an die Spitze", sagte er.

Wir wollen nicht mehr Schlusslicht sein, sondern an die Spitze
Armin Laschet

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte: "Ich bin begeistert, dass wir diese Aufholjagd hingelegt haben. Drei große Aufholjagden: im Saarland, in Schleswig-Holstein und jetzt in Nordrhein-Westfalen." Er warnte jedoch davor, das Ergebnis als eindeutiges Signal für die Bundestagswahl zu sehen: "Es gab Rückenwind, aber es war eine Entscheidung über die Landespolitik." Er sprach von einem "Scheitern von Rot-Grün im Land."

Sozialdemokraten gestehen Wahlniederlage ein

SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach angesichts des Wahlergebnisses von einer "krachenden Niederlage". Es sei einer "schwerer Tag für die SPD" und auch ein schwerer Tag für ihn persönlich, da er aus dem Land stamme. Gefragt nach den Gründen für das schlechte Ergebnis sagte er, seine "Überpräsenz" in den Medien sei vielleicht etwas zu stark gewesen: "Man kann überlegen, was mein Anteil daran ist." Andererseits habe die SPD mit dem Thema soziale Gerechtigkeit mobilisiert, sagte Schulz und verwies auf die 17.000 neuen Parteimitglieder seit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden. Mit Blick darauf, dass er das Amt nicht einmal 100 Tage bekleide, fügte er hinzu: "Ich bin auch kein Zauberer." In Bezug auf die Wahl im September sagte er: "Die Bundestagskampagne beginnt erst" und fügte hinzu: "Wir sind eine kampferprobte Partei und bis zur Bundestagswahl ist es noch ein langer Weg."

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley will das Ergebnis nicht als Zeichen für die Bundestagswahl im September verstanden wissen. "Das war eine Entscheidung über landespolitische Themen und der Bundestagswahlkampf beginnt erst jetzt. Das Potenzial (für einen Sieg im Bund) ist da, jetzt müssen wir es heben."

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte: "Das ist eine wirklich herbe Niederlage, die tut uns ordentlich weh. Das ist, wenn das im Stammland der SPD passiert, ein Leberhaken für die Bundespartei. Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen, aber er steht noch und der Bundestagswahlkampf wird heißen: Angela Merkel oder Martin Schulz."