In Deutschland waren zuletzt mehr Kinder auf Hartz IV angewiesen. Das geht aus Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit für die Linksfraktion im Bundestag hervor. Demnach stieg die Zahl von 1,54 Millionen im Dezember 2015 auf 1,6 Millionen im Dezember 2016. Auch die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die länger als vier Jahre von Hartz IV abhängig sind, stieg: Im Dezember 2013 lag sie bei 490.000 Kindern, im Dezember 2016 waren es 522.000.

"Die massiv gestiegenen Zahlen von Kindern in Hartz IV unter der jetzigen Regierung sind ein Armutszeugnis für die große Koalition", sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch zu den Zahlen. Hier würden Ignoranz und Unfähigkeit auf Kosten der Jüngsten zusammenkommen. "Es ist skandalös, dass Familienplanung heute oftmals Armutsrisiko für Kinder bedeutet."

Bartsch hatte im Dezember ein Netzwerk von Experten und Politikern gegen Kinderarmut in Deutschland gegründet. "Trotz wachsender Steuereinnahmen im Milliardenbereich halten CDU/CSU und SPD das Ausmaß an Kinderarmut in Deutschland anscheinend nicht für handlungsbedürftig", kritisierte er.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie hatte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gezeigt, dass die Zuwanderung von geflüchteten Familien, die als Asylbewerber unter der Armutsgrenze leben, bereits 2015 eine deutliche Zunahme der Kinderarmut zur Folge hatte. Nach Vorausberechnungen des WSI wird sich dies auch in den Zahlen von 2016 fortsetzen. Die amtlichen Daten liegen noch nicht vor. Gleichzeitig dürfte die Zahl der von Armut betroffenen einheimischen Minderjährigen aufgrund des moderaten wirtschaftlichen Aufschwungs niedriger ausfallen als 2015.

Gesunken ist dagegen die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld I, die zuvor so wenig verdient haben, dass sie ihre Versicherungsleistung mit Hartz IV aufstocken müssen. Im vergangenen Jahr ging sie um gut 10.000 auf 81.255 Aufstocker zurück, die Quote sank damit von 11,0 auf 10,3 Prozent. Das berichtet die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit. Damit war immer noch etwa jeder zehnte Bezieher von Arbeitslosengeld zusätzlich auf staatliche Grundsicherung angewiesen.

Der Rückgang ist offenbar auch auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns vor zwei Jahren zurückzuführen. In den neuen Bundesländern, wo im Durchschnitt niedrigere Löhne gezahlt werden als im Westen, hat sich der Anteil der arbeitslosen Aufstocker an allen dortigen Beziehern von Arbeitslosengeld I zwischen 2015 und 2016 von 15,4 auf 14,1 Prozent reduziert. In den alten Ländern sank die Quote nur leicht von 9,7 auf 9,3 Prozent.

Im Durchschnitt bekommt ein Hartz-IV-Haushalt seit Jahresanfang 937 Euro an Leistungen im Monat und damit 51 Euro mehr als vor einem Jahr. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf die neue Leistungsstatistik der BA. Am meisten erhalten demnach Bezieher in Bonn: Im Schnitt erhalten Haushalte dort seit Januar 1.075 Euro im Monat. Das sind 342 Euro mehr als in der "billigsten" Hartz-Stadt Hildburghausen (Thüringen).