Nach der Anweisung von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Wehrmachtsandenken in Kasernen zu entfernen, hat die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg ein Bild ihres Namensgebers abgehängt, das ihn in einer Wehrmachtsuniform zeigt. Nach Angaben der Hochschule hing das Bild seit Jahren auf dem Flur des zugehörigen Studentenwohnheims. Man sei auf Anweisung der Vorgesetzten aktiv geworden, hieß es.

Der SPD-Politiker Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschlands. Der Ehrenbürger der Hansestadt Hamburg und frühere Herausgeber der ZEIT kämpfte während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront in einer Panzerdivision, war dann als Referent für Ausbildungsvorschriften dem Oberkommando der Luftwaffe zugeteilt und zuletzt als Oberleutnant und Batteriechef an der Westfront eingesetzt.

Nach Ministeriumsangaben hätte das Bild nicht unbedingt abgehängt werden müssen. "Aus Sicht des Bundesministeriums für Verteidigung hätte die Entscheidung nicht zwingend so ausfallen müssen", sagte ein Sprecher in Berlin. Zuvor hatte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold die Entscheidung als Beispiel dafür genannt, "dass die Ministerin Maß und Mitte verloren hat und die Truppe tief verunsichert". Einen Kanzler in Wehrmachtsuniform zu zeigen, der seine Zeit als Soldat vielfach kritisch und klug kommentiert habe, sei die beste Art, die Vergangenheit des Militärs unter Hitler aufzuarbeiten, sagte er der Bild. "Unter dieses Bild ein Zitat von Helmut Schmidt – besser kann man nicht zeigen, wie junge Menschen in Hitlers Armee missbraucht worden sind und oft auch zu Tätern wurden", ergänzte Arnold. 

Offenbar Brief des Uni-Präsidenten an die Studenten

Das verteidigungspolitische Blog Augen geradeaus! meldet, der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität,  Wilfried Seidel, habe sich in einem Schreiben an die Uni-Angehörigen gewandt. Darin heiße es, die Entfernung "des Fotos, das Helmut Schmidt auf seine Zeit als Offizier der Wehrmacht reduziert", habe in der Studierendenschaft und in der öffentlichen Meinung ein geteiltes Echo gefunden. Er werde die Studenten zu einer Gesprächsrunde laden, "um etwaige Missverständnisse auszuräumen". Die Helmut-Schmidt-Universität distanziere sich "in keiner Weise von ihrem politischen Gründungsvater und Namenspatron".

Im Zuge des Skandals um rechtes Gedankengut bei der Bundeswehr hatte Generalinspekteur Volker Wieker angeordnet, sämtliche Kasernen und Bundeswehrgebäude nach Wehrmachtsandenken zu durchsuchen und diese zu entfernen. Auslöser war die Festnahme des mutmaßlich rechtsextremen Oberleutnants Franco A., der sich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben und offenbar mit Komplizen einen rechtsradikal motivierten Anschlag geplant hatte.

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Als weitere Maßnahme hat Ministerin von der Leyen angekündigt, den Traditionserlass – und damit das Verhältnis der Bundeswehr zu ihren historischen Ursprüngen – überarbeiten zu lassen. In dem Erlass heißt es unter anderem: "Es gibt auch in der Vergangenheit viele Beispiele menschlich vorbildlichen Verhaltens, die unseren Respekt verdienen." Die Beispiele sind nicht näher benannt, eine explizite Distanzierung von der Wehrmacht gibt es nicht. 

Neue Auflage des Liederbuchs gestoppt

In dem Traditionserlass geht es auch um "das Singen in der Truppe" – das entsprechende Liedgut soll nun ebenfalls überarbeitet werden. Nach Angaben des Ministeriums wurde das Streitkräfteamt beauftragt, eine völlig neue Form des entsprechenden Liederbuchs unter Einbindung des Zentrums für Innere Führung und des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zu entwickeln. In der Kritik stehen Lieder wie Schwarzbraun ist die Haselnuss, das Panzerlied oder Das Westerwaldlied. Sie wurden dem Ministerium zufolge in der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs als Ausdruck nationalsozialistischer Überhöhung missbraucht. Zudem finden sich in dem Liederbuch Kompositionen und Texte von NS-Ideologen.

Das Liederbuch ist in seiner derzeitigen Auflage seit 1991 unverändert und umfasst 100.000 Exemplare, von denen noch etwa ein Zehntel verfügbar war. Im laufenden Haushaltsplan des Ministeriums hieß es bislang, "dass an jede Soldatin und an jeden Soldaten auf Wunsch ein Liederbuch der Bundeswehr unentgeltlich abgegeben wird". Das Ministerium fügte hinzu, dass die Überarbeitung und Neuentwicklung des Buchs bereits seit Januar 2017 in Auftrag gegeben wurde. Die angewiesene Überarbeitung stehe deshalb "in keinem Zusammenhang mit aktuellen Vorgängen" um die Verhaftung von Franco A.