Landtagswahl in Schleswig-Holstein

Die Bürger in Schleswig-Holstein haben ein deutliches Votum abgegeben: Die Küstenkoalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wurde abgewählt. Alle drei Parteien der Koalition verloren Stimmen, während CDU, FDP und die AfD, die erstmals in den Landtag einzieht, dazugewinnen konnten.

Nach dem vorläufigen Endergebnis wurde die CDU unter ihrem Spitzenkandidaten Daniel Günther mit 32 Prozent stärkste Partei vor der SPD, die auf 27,2 Prozent absackte. Drittstärkste Partei blieben die Grünen mit 12,9 Prozent vor der FDP, die auf 11,5 Prozent zulegte. Die AfD erreichte 5,9 Prozent, auf den von der Fünfprozenthürde ausgenommenen SSW entfielen 3,3 Prozent der Stimmen.     

Die CDU profitierte dabei vor allem von Nichtwählern, 14 Prozent ihrer aktuellen Wähler kommen aus diesem Lager. Es gingen diesmal auch wieder mehr Schleswig-Holsteiner zur Wahl: Die Wahlbeteiligung legte auf rund 65 Prozent zu – im Jahr 2012 lag sie bei 60,2 Prozent. Auch enttäuschte SPD-Wähler wanderten zu den Christdemokraten ab. Die CDU profitierte außerdem stärker als die SPD von Wählern, die in den vergangenen Jahren erst in das Bundesland gezogen waren: Etwa 36.000 Zugezogene stimmten für die CDU, etwa 28.000 Zugezogene für die Sozialdemokraten.

Von den Parteien, die bereits im Kieler Landtag vertreten waren, ist die FPD die große Gewinnerin. Sie gewann 3,3 Prozentpunkte der Stimmen dazu. Diese neuen Wähler kommen vor allem aus den großen Parteien, zu 19 Prozent von der CDU und zu 11 Prozent von der SPD. Die FPD profitierte allerdings ebenfalls von der gestiegenen Wahlbeteiligung und konnte 15 Prozent der Nichtwähler überzeugen.

Die AfD erhielt 52 Prozent ihrer Stimmen von den sogenannten anderen Parteien. Dazu gehören alle Parteien, die unter der Fünfprozenthürde blieben, unter anderem der SSW. Auch die Piraten, die aus dem Landtag geflogen sind, fallen in diese Kategorie. Differenzierte Daten über die Wählerwanderung des SSW und der Piraten und ob sie überhaupt mit der AfD zusammenhängen, gibt es aber nicht. Aus den anderen Parteien stimmten vor allem enttäuschte CDU-Wähler für die AfD, nämlich 11.000. Genauso viele Nichtwähler konnte die AfD für sich gewinnen.

Die SPD verlor am stärksten an die CDU. 8,4 Prozent ihrer früheren Wähler wählten diesmal schwarz, 7,4 Prozent die Grünen. Noch mehr frühere SPD-Wähler, 8,9 Prozent der Verluste, verstarben während der vergangenen Legislaturperiode. 

Bei der Landtagswahl waren 201.000 Menschen das erste Mal wahlberechtigt. Erstmals konnte auch ab 16 Jahren gewählt werden. 46 Prozent der Erstwähler blieben allerdings Nichtwähler. Am stärksten profitieren konnte von dieser Gruppe die SPD. Etwa 29.000 Erstwähler gaben den Sozialdemokraten ihre Stimme, etwa 24.000 stimmten dagegen für die CDU.

Info zur Wählerwanderung
Die Wählerwanderungsbilanz von Infratest dimap schätzt die sogenannten Wählerströme zwischen zwei Wahlen. Dargestellt werden die saldierten Austauschbewegungen zwischen den Parteien. Der Zahl der Wechsler einer Partei A zur Partei B wird die Zahl der Wechsler von Partei B zu Partei A gegenübergestellt. Unter dem Strich ("saldiert") bleiben somit Gewinne der Partei A von Partei B oder Verluste der Partei A an Partei B. Dabei wird berücksichtigt, dass sich die Wählerschaft zwischen zwei Wahlen verändert, und zwar durch Zuzug und Wegzug von Wählern sowie durch neue Jahrgänge (Erstwähler) und den Tod ehemaliger Wähler.

Weiterhin bezieht Infratest dimap die Gruppe der Nichtwähler in die Bilanz mit ein. Die Annahmen über Größenordnung und Wahlverhalten dieser Gruppen beruhen auf amtlichen Repräsentativstatistiken der letzten Wahl, Bevölkerungsstatistiken, repräsentativen Vorwahlerhebungen und der Exit-Poll (Erhebung am Wahltag vor den Wahllokalen) von Infratest dimap. Wie die Hochrechnungen verändern sich auch die Wanderungsströme im Laufe eines Wahlabends. Nach der Veröffentlichung der vorläufigen Endergebnisse durch die zuständigen Wahlleitungen nimmt Infratest dimap eine abschließende Schätzung vor.