Der dramatische Wahlabend in Nordrhein-Westfalen erlebte am Ende zwei Wahlsieger, die über ihren gemeinsamen Erfolg womöglich gar nicht so froh sind. Und einen demoralisierten Wahlverlierer, der mit Blick auf die Bundestagswahl ob des Koalitionsergebnisses gar nicht so niedergeschlagen sein muss.

Denn die hauchdünne Mehrheit von Schwarz-Gelb im neuen Düsseldorfer Landtag zwingt CDU und FDP geradezu, im bevölkerungsreichsten Bundesland wieder gemeinsam zu regieren, auch wenn das riskant werden kann und sie das selbst nicht unbedingt erwartet hatten. Mit so starken Zugewinnen konnten beide Parteien kaum rechnen. Eine große Koalition, die andere Möglichkeit, könnten sie aber vor den Wählern schwerlich rechtfertigen, nachdem sie erfolgreich für eine Ablösung von SPD und Grünen geworben hatten.

Auf der anderen Seite könnte der Erfolg des bürgerlichen Lagers bei der letzten Testwahl vor der Bundestagswahl der erlahmten Gerechtigkeitskampagne des abgestürzten SPD-Aufschwungkönigs Martin Schulz aufhelfen – gegen eine auch im Bund "drohende" schwarz-gelbe Regierung.

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Schwarz-Gelb dürfte entgegen ihren Wahlaussagen nicht die erste Wahl von CDU-Wahlsieger Armin Laschet und des ebenfalls triumphierenden FDP-Spitzenkandidaten und Bundes- und Landesvorsitzenden Christian Lindner gewesen sein. Besonders den Liberalen sind die letzten Koalitionen mit der CDU im Land und in Berlin in äußerst schlechter Erinnerung: In NRW wurde die schwarz-gelbe Regierung unter Führung von Jürgen Rüttgers 2010 nach nur einer Legislaturperiode von Rot-Grün abgelöst. Im Bund flog die FDP 2013 nach vier Jahren Streitregierung mit Angela Merkels CDU gar aus dem Parlament.

Lindner hat die Partei deshalb als unabhängige Kraft wieder aufgebaut: inhaltlich zwar kaum verändert, aber sehr selbstbewusst im Auftreten und in deutlicher Abgrenzung zur Union. Der FDP-Chef mühte sich am Wahlabend denn auch gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, dass er auf ein Mitregieren in Düsseldorf erpicht ist. Das würde seine Pläne nämlich doppelt durchkreuzen: Zum einen will er selbst ja nicht in NRW bleiben, sondern im Herbst zurück in die Bundespolitik wechseln. Bildet die FDP aber mit Laschets CDU eine schwarz-gelbe Landesregierung, könnte er nur schwer erklären, wieso er ihr als Spitzenkandidat nicht angehören will.

Zum anderen ist Lindners primäres Ziel, die FDP mit einem möglichst guten Ergebnis wieder in den Bundestag zu führen – nicht zwingend jedoch in eine Regierungskoalition mit der Union. Seine Partei braucht Zeit, um nach den miserablen Erfahrungen der Bürger mit der mitregierenden Westerwelle- und Rösler-FDP Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen. Und das könnte sie wahrscheinlich am besten in der Opposition, und nicht als Partei, die gleich wieder nach der Macht greift. Eine große Koalition in Düsseldorf wäre für ihn deshalb eigentlich besser.

Armin Laschet dürfte insgeheim eher auf eine Jamaikakoalition gesetzt haben. Der ehemalige NRW-Integrationsminister, der einst schon einem schwarz-grünen Kreis in Bonn angehörte, steht den Grünen in einigen Punkten ziemlich nahe. Und mit einer Dreierkombi mit FDP und Grünen in Düsseldorf hätte er der Kanzlerin eine schöne neue Option in Berlin eröffnet.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - "Ein schwerer Tag für die SPD" Für die SPD verlief der Wahlabend schlechter als erwartet. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft tritt von allen SPD-Ämtern zurück und Kanzlerkandidat Martin Schulz will aus der Wahlniederlage lernen. © Foto: ZEIT ONLINE