SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat abermals eigene Fehler eingeräumt, nachdem sich in den vergangenen Wochen Millionen Wähler gegen seine Partei entschieden haben und gleich drei Landtagswahlen für die SPD verloren gingen. "Ich hätte früher mit konkreten Inhalten kommen müssen", sagte er im Gespräch mit der ZEIT. Er habe seit seiner Nominierung zu viel Rücksicht auf die Landtagswahlen genommen, statt auf seine Intuition zu hören.

An den vergangenen beiden Sonntagen wurden bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen die SPD-geführten Landesregierungen abgewählt. Bei der Wahl im Saarland war die Partei zehn Prozentpunkte hinter der Union geblieben, nachdem sie zuvor noch auf einen Wahlsieg gegen die CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gehofft hatte.

Die Sozialdemokraten gehen nun geschwächt in die noch verbleibenden vier Monate Wahlkampf bis zur Bundestagswahl am 24. September. Dies gilt insbesondere für ihren Kanzlerkandidaten, der noch kurz vor und nach Bekanntgabe seiner Nominierung bei den Wählern äußerst beliebt war und auch seiner Partei hohe Umfragewerte beschert hatte.

"Ich habe von Anfang an vor dem Schulz-Hype gewarnt", sagte Schulz der ZEIT über die Schlagzeilen Anfang des Jahres – und gibt zu: "Ich kann aber nicht ausschließen, dass ich mich selber davon habe beeindrucken lassen."

Laut der jüngsten Umfrage des Forsa-Instituts erreicht die SPD nur noch 26 Prozent und damit drei Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Vorwoche – und 12 Prozentpunkte weniger als die Union, die sich um zwei Punkte auf 38 Prozent verbessert hat. Auch in der persönlichen Bewertung geben die Wähler wieder eindeutig Amtsinhaberin Angela Merkel den Vorrang: Wenn der Bundeskanzler direkt gewählt werden könnte, würde sich laut der Forsa-Umfrage die Hälfte von ihnen für die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende entscheiden. Für Martin Schulz würden aktuell 24 Prozent stimmen.

Bundestagswahlen - Wo sind bloß die Unterschiede? Der Wahlkampf ist eröffnet, doch CDU und SPD halten sich zurück mit klaren Positionierungen. Ein vorläufiger Vergleich. © Foto: ZEIT ONLINE