Das hätte sich Armin Laschet bestimmt nicht träumen lassen. Dass er, der Integrationspolitiker und Merkel-Getreue, mal von Jens Spahn beklatscht wird. Jetzt aber steht Spahn, der immer wieder versucht hat, die CDU von Merkel weg und weiter nach rechts zu treiben, unten im Publikum und Laschet steht oben. "Ich danke auch der Kanzlerin, ich danke Angela Merkel", sagt Laschet gerade zu seinen Anhängern in der Parteizentrale in Düsseldorf, und Spahn steht unten und applaudiert brav mit. Dann sagt er freudige und nette Sachen über Laschets Wahlsieg in die Mikros.

So ist das in der Parteipolitik: Wer gewinnt, hat plötzlich nur noch Freunde. Und Armin Laschet ist der neueste und unwahrscheinlichste Gewinner der CDU. Ihm ist gelungen, was die CDU in den vergangenen 50 Jahren nur ein einziges Mal schaffte: die Macht in Nordrhein-Westfalen zu erobern.

Dabei galt Laschet bis vor wenigen Tagen nicht nur als höchstens mittelmäßiger Wahlkämpfer, sondern taugte auch kaum als konservatives Gegenmodell zur sozialdemokratischen Regierungschefin. Den Wunsch nach einem echten politischen Wechsel bedient Laschet eigentlich nicht, sein politisches Profil passt dazu schlecht. Schließlich gehörte er stets eher zum linken Flügel in der CDU. Als Bundestagsabgeordneter suchte er in den 1990er Jahren den Kontakt zu den Grünen und hatte – wie andere spätere Merkel-Getreue – Probleme mit Helmut Kohl und dessen wachsender Reformunwilligkeit.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - "Wir wollen in die Spitze der deutschen Länder" CDU-Spitzenkandidat Laschet sagte, dass seine Partei alle Wahlziele erreicht hat: Rot-Grün ablösen und stärkste Partei werden. © Foto: Kai Pfaffenbach / Reuters

Als Merkel dann 2005 Kanzlerin wurde, war er seit einigen Monaten Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen. Der erste überhaupt. In diesem Amt unterstützte er die gesellschaftspolitische Öffnung der CDU, die Merkel von Berlin aus vorantrieb. Mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Offenheit für Migranten, die endlich wirklich in die Gesellschaft integriert werden sollten – dieses Programm machte ihn auch über Landesgrenzen hinaus bekannt.

In großen Teilen des eigenen Landesverbandes aber, der gerade in den ländlichen Regionen sehr konservativ ist, machte ihn dieses Image eher verdächtig als interessant. Dass seine Hausmacht in der Partei begrenzt war, musste Laschet 2012 erleben, als er gegen den damaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) um die Spitzenkandidatur kämpfte – und verlor. Erst dessen grandiose Niederlage brachte Laschet dann doch noch an die Partei- und Fraktionsspitze. Wohl auch, weil damals niemand anderes bereit war, die Trümmer wegzuräumen.

Lindners Sidekick

In seiner neuen Funktion wurde Laschet zum Allrounder. Aber an Ministerpräsidentin Kraft kam er nie heran. Zudem stand er im Schatten von Christian Lindner. Der Star der geschrumpften FDP war angriffslustiger und konnte viel besser reden. Neben ihm wirkte Laschet im Landtag oft nicht wie der Oppositionsführer, sondern wie Lindners besserer Sidekick.

Dass Laschet während der Flüchtlingskrise Merkels Position aus tiefster Überzeugung verteidigte und das auch in vielen Talkshows tat, verstärkte zwar seine überregionale Bekanntheit, aber nicht seine Beliebtheit im konservativen Lager. Der "Türken-Armin", als der er als Integrationsminister in der eignen Partei geschmäht worden war, war jetzt der "Flüchtlings-Armin".

Hätte Laschet diese Wahl auch damals gewinnen können, als der Streit um die Flüchtlingspolitik auf dem Höhepunkt war und die AfD bei jeder Landtagswahl Triumphe feierte? Noch zu Beginn des Wahlkampfes gab es in der CDU erhebliche Zweifel, ob man mit Laschet als Spitzenkandidat Erfolg haben könne oder bestenfalls trotz ihm.