SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat einer Koalition mit der Linkspartei auf Bundesebene eine Absage erteilt. "Die Linkspartei ist noch weit von der Regierungsfähigkeit entfernt", sagte Oppermann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD werde "nur in eine Regierung gehen, in der sich alle klar zur EU und zur Nato bekennen und zur internationalen Verantwortung Deutschlands stehen". Oppermann sprach sich aber auch gegen eine Fortsetzung der Koalition zwischen Union und SPD aus. Große Koalitionen sollten kein Dauerzustand sein: "Inzwischen stoßen wir bei der Union auch an ihre ideologischen Grenzen."

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück riet ebenfalls von Rot-Rot-Grün ab und sprach sich für die FDP unter ihrem Parteichef Christian Lindner als möglichen Koalitionspartner aus. Lindner habe einen "glänzenden Landtagswahlkampf" in Nordrhein-Westfalen gemacht. Steinbrück sagte der Bild am Sonntag, der Flirt mit der Konstellation Rot-Rot-Grün werde nicht belohnt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bekräftigte er, Rot-Rot-Grün sei "jedenfalls im Westen schlicht und einfach nicht akzeptabel".

"Keine Kompromisse vor der Wahl"

Der Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte diese Wortmeldungen: "Die SPD möge sich um Inhalte kümmern und sich nicht gegenseitig mit Ausschließeritis anstecken." Die Linkspartei tue "alles für einen Politikwechsel – deshalb sind wir selbstverständlich bereit, Regierungsverantwortung auf der Bundesebene zu übernehmen", sagte Bartsch der Welt. Im Vorfeld der Bundestagswahl mache die Linke aber keine Kompromisse.

Bartsch sprach sich für die Umwandlung der Nato in ein "kollektives Sicherheitssystem unter Einschluss Russlands" aus. Die Nato sei ein Bündnis des vergangenen Jahrhunderts, das sich den Herausforderungen dieses Jahrhunderts stellen müsse. Die Linke wolle auch die Bundeswehr nicht abschaffen: "Allerdings finden wir es falsch, wenn sie weiter zu einer Interventionsarmee umgerüstet wird."

Für die Zeit nach der Bundestagswahl am 24. September gelte laut Bartsch: "Wenn das Wahlergebnis zu Koalitionsgesprächen führen sollte, muss man mit anderen ganz sachlich reden. Prinzipien und Kompromisse schließen einander nicht aus." Die Linkspartei wirbt für ein Bündnis mit SPD und Grünen.

Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen. Wenige Wochen zuvor hatte sich die SPD-Spitzenkandidatin im Saarland, Anke Rehlinger, offen gezeigt für ein Bündnis mit der Linken.