Das Ergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird international  und national im Kontext der anstehenden Bundestagswahl bewertet. Viele Medien interpretieren den Wahlsieg der CDU als einen Moment, der Rückenwind für Bundeskanzlerin Angela Merkel  bedeutet. Die SPD-Niederlage hingegen wird als großes Problem für ihren Herausforderer Martin Schulz bewertet.

Die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz kommentiert mit Blick auf das zwischenzeitliche Umfragehoch der SPD: "Nicht die Romantisierung einer Politiker-Biografie, nicht das populistische Beschwören vager Gerechtigkeitsvisionen entscheiden Wahlen, sondern Kompetenz und konkrete politische Arbeit." Martin Schulz und dessen Partei seien nach drei sehr ernüchternden Landtagswahlen auf den Boden der Realität zurückgekehrt. "Die im Wahlkampf bisher so zurückhaltende Kanzlerin darf diesen Triumph still genießen. Die Bundestagswahl im September ist allerdings noch weit weg."

In Großbritannien glaubt die Times, die Bundestagswahl sei nun bereits entschieden: "Nach diesem Ergebnis lässt sich mit Sicherheit darauf wetten, dass Angela Merkel nach den Wahlen im Herbst wieder Bundeskanzlerin wird. Als Deutschland vor 18 Monaten mit der Zuwanderung von Hunderttausenden von Flüchtlingen konfrontiert war, hatte man sie bereits abgeschrieben. Jetzt scheint sie auf einer Welle zu reiten, und Mitte-Links wird es sehr schwer haben, sie zu verdrängen." Die Times kommentiert, Merkel könne nur verlieren, wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Sommer entscheiden würde, das Flüchtlingsabkommen mit der EU zu kündigen. Die Deutschen könnten sich dann erneut übermannt fühlen.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - "Ein schwerer Tag für die SPD" Für die SPD verlief der Wahlabend schlechter als erwartet. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft tritt von allen SPD-Ämtern zurück und Kanzlerkandidat Martin Schulz will aus der Wahlniederlage lernen. © Foto: ZEIT ONLINE

Die italienischeLa Repubblica glaubt, die Landtagswahl in NRW bedeute "Rückenwind für Kanzlerin Merkel". Die Zeitung setzt Merkels Wahlkampf gegen Martin Schulz in einen europäischen Kontext: "Im Gegensatz zu der Wahl in Frankreich wird die Bundestagswahl in Deutschland nicht das Schicksal Europas entscheiden. Wenn in Paris Marine Le Pen gewonnen hätte, wäre die EU vermutlich am Ende gewesen. Wenn in Berlin Merkel gewinnt, wie es wahrscheinlich ist, oder wenn Schulz gewinnt, wird das Kanzleramt immer noch von einer Person besetzt, die an Europa glaubt und der bewusst ist, dass Integration verstärkt werden muss."

Die niederländische Zeitung NRC Handelsblad meint in ihrer Onlineausgabe, dass Merkels Chance auf eine vierte Amtszeit nun deutlich gestiegen sei: "Nicht allein weil ihre Partei mit ihrer Unterstützung in drei Landtagswahlen hintereinander Siege verbuchen konnte, sondern auch, weil dadurch innerhalb der CDU und ihrer Schwesterpartei CSU die Kritik an Merkel nahezu verstummt ist. Ihre umstrittene Flüchtlingspolitik von 2015 und 2016 ist kein dominantes Thema mehr."

In Deutschland kommentiert Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung: "Vom Schulz-Hype bleibt nach diesem Wahltag vorerst nur die Erinnerung. Ein paar Wochen lang blitzte auf, was in der SPD stecken kann. Die SPD hat erfahren, dass der Verliererstempel nicht mit schicksalhafter Macht auf sie einhämmert. Und sie hat erlebt, wie schnell Abneigung und Zuneigung wechseln können." Prantl diagnostiziert zwei widersprüchliche Neigungen der Wähler: Einerseits seien sie unzufrieden und sehnten sich nach Belebung der Politik, das habe der Schulz-Hype gezeigt. "Andererseits gibt es den Wunsch nach Stabilität und Verlässlichkeit, nach einer Regierung, an die man sich in Zeiten globaler Turbulenzen halten kann."

In Deutschland überwiege derzeit das zweite Gefühl: "In bedrohlicher internationaler Lage hält sich der Wähler gern an das einigermaßen Bewährte – also an Merkel." Verlass sei derzeit aber nur darauf, dass sich die Dinge sehr schnell ändern können. "Dies an die Adresse der Union, wenn sie glaubt, nun sei die Bundestagswahl gewonnen", schreibt Prantl.