Als Konsequenz aus dem Fall des rechtsextremen Offiziers Franco A. schlägt der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht vor. Die Aussetzung der Wehrpflicht vor knapp sechs Jahren habe bewirkt, dass die Bundeswehr keinen Querschnitt der Gesellschaft mehr abbilden könne, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Dabei wäre der Bürger in Uniform ein verlässliches Frühwarnsystem zur Erkennung von Extremismus von links und rechts."

Das Aufleben der Wehrpflicht sei daher nicht nur aus Sicherheitsaspekten notwendig. "Unsere Zivilbevölkerung ist auch das Immunsystem gegen Demokratiefeindlichkeit."

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat seit dem Ende der Wehrpflicht mehr als 2.500 rechtsextreme Verdachtsfälle bei der Bundeswehr registriert. Das berichtete die Rheinische Post unter Berufung auf Sicherheitskreise. Im Jahr 2010 waren es demnach 585 Fälle, im vergangenen Jahr nur noch 227 Fälle. In diesem Jahr ging der MAD bislang 104 rechtsextremistischen Verdachtsfällen nach. Der Verdacht habe sich in 1 bis 7,2 Prozent der Fälle bestätigt.

Sensburg ist aktiver Reserveoffizier im Rang eines Oberstleutnants und gilt seit langem als Befürworter der Wehrpflicht. Sie war zum 1. Juli 2011 nach 55 Jahren ausgesetzt worden, weil die Bundesregierung keine sicherheitspolitische und militärische Begründung mehr dafür sah. Der Pflichtdienst ist aber weiterhin im Grundgesetz verankert und kann mit einem einfachen Gesetz wiedereingeführt werden. 

SPD nennt von der Leyens Reaktionen erbärmlich

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte als Reaktion auf die rechtsextremen Verdachtsfälle in der Bundeswehr umfassende Reformen in den Streitkräften in Aussicht gestellt. Sie kündigte zudem eine Überprüfung der Wehrdisziplinarordnung an sowie ein neues Programm "Innere Führung heute".

Hintergrund ist der Fall eines mutmaßlich rechtsextremen Oberleutnants, der unter Terrorverdacht steht. Der 28-jährige Franco A. hatte sich als falschen Flüchtling registrieren lassen und nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zusammen mit Kameraden einen Anschlag geplant. Neben Franco A. sind inzwischen auch ein Student sowie ein weiterer Soldat in Haft.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte, von der Leyen trage die volle Verantwortung für die Rechtsextremismusaffäre. Es sei ein handfester Skandal, dass sich "braune Terrornester" ohne Wissen der Verantwortlichen und des Militärischen Abschirmdienstes bilden konnten, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es sei erbärmlich, jetzt Unwissenheit vorzugaukeln. Immerhin werde das Verteidigungsressort seit zwölf Jahren von CDU und CSU geführt.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), hält das Vertrauen der Truppe in die Verteidigungsministerin für "angekratzt". Die Ministerin müsse es jetzt wiederherstellen, sagte er dem Mannheimer Morgen. Florian Kling, Sprecher des Verbands kritischer Soldaten, sieht die Ursache der Probleme bei von der Leyen selbst. "In der Truppe wagt es niemand, diese konkret anzugehen. Aus Angst, von der Verteidigungsministerin geschasst zu werden."