Die Grünen in Schleswig-Holstein stimmen auf ihrem Parteitag am Dienstag über Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP ab. Die Zustimmung der Partei zu einer möglichen Jamaikakoalition ist nach Aussage vom bisherigen Umweltminister Robert Habeck offen. "Die Chancen, dass unser Parteitag am Dienstag für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP stimmt, stehen aus meiner Sicht bei 50:50", sagte Habeck der Deutschen Presse-Agentur. Sollte es zu einem Koalitionsvertrag kommen, sei bei der dann anstehenden Mitgliederbefragung alles möglich. "Große Zustimmung, krasse Ablehnung, knappes Ergebnis – man weiß es nicht", sagte der Grünen-Politiker.

Habeck warnte die potenziellen Koalitionspartner CDU und FDP vor Profilierungssucht. "Wenn es Gockeleien gibt, fährt das Ding an die Wand", sagte Habeck. "Niemand darf als Verlierer herausgehen: Wenn jemand die Grünen zum fünften Rad am Wagen machen will, ist es vorbei."

Dass die Jamaikakoalition die realistischste Regierungskoalition darstellt, ist für ihn ein Dilemma. Dennoch müsse man sich mit dieser Option beschäftigen. "Wir haben mit Fischern und Bauern geredet, und jetzt reden wir mit der FDP", sagte Habeck. "Wir wären schlechte Demokraten, wenn wir das nicht täten."

Eine Neuwahl sei das "allerletzte". Am Montag sprechen zudem die Spitzen von SPD und Grünen über eine Koalition mit der FDP. Die Chancen für eine Ampelkoalition seien "extrem gering", sagte Habeck. Der FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hatte eine solche Koalition "definitiv" ausgeschlossen.

Kubicki zeigte sich verärgert über das Verhalten von SPD-Landeschef Ralf Stegner, der in Berlin gegenüber Genossen bereits gesagt haben soll, er sei sicher, die Koalition mit den Grünen und der FDP zustande zu bringen – und das, obwohl noch nichts geschehen sei.

Die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und SSW (Südschleswigschem Wählerverband) hatte bei der Landtagswahl am 7. Mai ihre Mehrheit verloren. Die SPD schloss eine große Koalition und der SSW die Beteiligung an einer Regierung mit CDU und Grünen aus. Der bisherige Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) trat nach der Wahlniederlage zurück. Der CDU-Kandidat Daniel Günther gewann die Wahl mit 32 Prozent der Stimmen.