In Schleswig-Holstein sind am Sonntag 2,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Erstmals dürfen schon 16-jährige ihre Stimme abgeben. Die rund 2.600 Wahllokale sind seit dem Morgen bis 18 Uhr geöffnet. Insgesamt treten 13 Parteien zur Abstimmung an.

Die Wahlbeteiligung fiel am Sonntagvormittag höher aus als bei der Wahl 2012. Bis 14 Uhr gaben laut Landeswahlleiter rund 42,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Vor fünf Jahren waren es zu diesem Zeitpunkt 37,7 Prozent.

Letzte Umfragen deuten darauf hin, dass die Dreierkoalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) ihre Mehrheit verlieren könnte. Die CDU mit Spitzenkandidat Daniel Günther könnte stärkste Partei vor der SPD von Ministerpräsident Torsten Albig werden. Bei seiner Stimmabgabe zweifelte Albig die Erhebungen an. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen, weil alle Umfragen bei den letzten Landtagswahlen immer falsch waren – und zwar frappierend falsch", sagte der Ministerpräsident

Die mitregierenden Grünen könnten den Umfragen zufolge entgegen dem Bundestrend ihr zweistelliges Ergebnis von vor fünf Jahren halten, die FDP sich deutlich verbessern. Die AfD wird es voraussichtlich in den Landtag schaffen, bei der Linkspartei ist der Einzug ins Parlament demnach unsicher. Rund ein Drittel der Wähler war den Erhebungen zufolge kurz vor dem Wahltag noch unentschieden, ob und wen sie wählen wollten.

Mehrere Konstellationen möglich

Neben einer großen Koalition wären den Umfragen zufolge auch Dreierbündnisse aus entweder SPD oder CDU mit den Grünen und der FDP möglich. Albig hat auch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht ausgeschlossen. Mit der AfD möchte keine andere Partei zusammenarbeiten.

Sollte die SPD nicht mehr den Ministerpräsidenten stellen können, wäre dies ein Rückschlag für die Sozialdemokraten und ihren neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz eine Woche vor der Landtagswahl im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort liegen die regierende SPD und die oppositionelle CDU in Umfragen nahezu gleichauf.

2012 hatte die CDU die Wahl in Schleswig-Holstein mit 30,8 Prozent knapp vor der SPD gewonnen, die auf 30,4 Prozent kam. Die Grünen erhielten 13,2 Prozent, die FDP und die Piratenpartei jeweils 8,2 Prozent. Die Linke verpasste mit 2,3 Prozent den Einzug in den Landtag, während der SSW wegen seines Sonderstatus als Partei der dänischen Minderheit von der Fünfprozenthürde ausgenommen ist und mit 4,6 Prozent drei Abgeordnete stellen konnte. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 60,2 Prozent.