Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig will nicht zurücktreten. Auf die Frage einer Journalistin, ob man damit rechnen müsse, sagte er am Dienstag vor einer Fraktionssitzung: "Nee, müssen Sie nicht." Es gehe jetzt darum, "was wir vorbereiten können, um eine nächste Regierung auf die Beine zu stellen." Keine der gewählten Parteien habe eine Mehrheit im neuen Landtag. "Und dann werden wir mal sehen, wer am Ende eine Mehrheit hat."

Die von Albig geführte Küstenkoalition aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschem Wählerverband SSW hat bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag ihre Mehrheit verloren. Stärkste Kraft wurde die CDU. FDP und Grüne könnten sowohl mit der SPD als auch mit der CDU eine Regierung bilden. FDP-Chef Wolfgang Kubicki hatte allerdings am Montag ausgeschlossen, dass es eine Ampelkoalition unter der Führung von Albig geben werde. 

Seit der Absage durch die FDP wurde über einen Rückzug Albigs spekuliert, auch weil er viel Kritik aus der eigenen Partei einstecken musste. "Das nehme ich zur Kenntnis", sagte Albig mit Blick auf diese Kritik. Skeptisch hatte sich etwa der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel geäußert. Man habe kurz vor der Wahl mehr über Albigs Privatleben als über die Themen der Sozialdemokratie diskutieren müssen, hatte Schäfer-Gümbel im ZDF-Morgenmagazin gesagt. Ähnlich hatten sich seit Sonntagabend auch andere führende Sozialdemokraten geäußert.

Schleswig-Holstein - SPD verarbeitet Stimmenverluste der Landtagswahl Nach der Niederlage bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hoffen die Sozialdemokraten jetzt auf Nordrhein-Westfalen. © Foto: Rainer Jensen/dpa

Albig hatte sich in dem Interview über die Trennung von seiner Frau geäußert. Mit dieser habe er sich nur noch selten auf Augenhöhe austauschen können, da sich sein Leben schneller entwickelt habe als ihres als Hausfrau. Bei der SPD vermutet man, dass diese Äußerungen vor allem bei Frauen Wählerstimmen gekostet haben.


Über eine Regierungsbildung wollen die Liberalenin der kommenden Woche ein erstes Sondierungsgespräch mit den Grünen führen. Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen soll es am Montag in Kiel ein Treffen geben, teilte die Grünen-Landesvorsitzende Ruth Kastner mit. Die FDP bestätigte das Gespräch nicht. Nach Darstellung Kastners nahmen die Liberalen die Einladung der Grünen aber an.