Gut eine Woche nach der Wahlniederlage seiner SPD beendet Schleswig-Holsteins Regierungschef Torsten Albig seine politische Karriere. Nach der Wahl seines Nachfolgers an der Regierungsspitze in Kiel werde er nicht mehr Mitglied der Landesregierung sein, sagte Albig. Auch dem Landtag werde er nicht mehr angehören. Albig sagte, seine Arbeit als Mitglied einer Landesregierung werde "in jedem Fall mit der Neuwahl einer Ministerpräsidentin oder eines Ministerpräsidenten" enden.

"Bis dahin erfülle ich entsprechend der Verfassung unseres Landes meine Pflicht als gewählter Ministerpräsident. Um auch jedweder weiteren substanzlosen aber dennoch für mich und mein persönliches Umfeld ehrverletzenden Unterstellung der Vermischung öffentlicher und privater Interessen den Boden zu entziehen, werde ich auch nicht dem künftigen schleswig-holsteinischen Landtag angehören."

Aus der Landtagswahl war die CDU klar als stärkste Kraft hervorgegangen, die SPD hatte Stimmen verloren.
Noch zwei Tage nach der Wahl hatte Albig angekündigt, er wolle eine neue Regierung bilden. Dies wäre aber nur mit den Grünen und der FDP möglich gewesen. Kurz bevor Albig seine Entscheidung bekannt gab, hatte der Spitzenkandidat der FDP, Wolfgang Kubicki, eine Koalition mit den Sozialdemokraten ausgeschlossen. Wenn die SPD glaube, sie könne "bei diesem Wahlergebnis die Politik der Küstenkoalition einfach so fortführen", offenbare dies ihre "Missachtung gegenüber den Wählerinnen und Wählern", sagte Kubicki. Bereits zuvor hatte Kubicki mehrfach gesagt, die Wahrscheinlichkeit für ein Ampelbündnis liege nahe Null.

Schleswig-Holstein - Kubicki schließt Ampel unter Albig aus Der FDP-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, hat einer Ampelkoalition unter Führung des bisherigen Ministerpräsidenten Torsten Albig eine klare Absage erteilt. © Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Kubicki zeigte sich verärgert über das Verhalten von SPD-Landeschef Ralf Stegner, der in Berlin gegenüber Genossen bereits gesagt haben solle, er sei sicher, die Koalition mit den Grünen und der FDP zustande zu bringen – und das obwohl noch nichts geschehen sei. Nach der Absage der FDP kommen als neue Regierungskonstellation rein rechnerisch nur noch ein Bündnis aus CDU, Grünen und FDP oder eine große Koalition von CDU und SPD in Frage.

Am Montag hatten FDP und Grüne Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Landesregierung aufgenommen. Am Dienstag kamen zunächst Spitzenvertreter von CDU und Grünen zusammen. Danach wollte die CDU mit Wahlsieger Daniel Günther mit der FDP sprechen.