Nach der französischen Präsidentschaftswahl setzt sich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dafür ein, dass die Euroländer in Zukunft Geld in einen eigenen Haushalt einzahlen. "Wenn die Staaten der Eurogruppe gemeinsame Aufgaben anpacken sollen, wäre eine gemeinsame Budgetfinanzierung sinnvoll", sagte Schulz der ZEIT. Damit unterstützt der SPD-Parteichef eine Forderung des designierten französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser wirbt für ein großes Investitionsprogramm, finanziert aus einem gemeinsamen Haushalt der Eurostaaten.

"Wenn wir aus dem ewigen Rhythmus von nichtssagenden und folgenlosen Gipfelbeschlüssen herauskommen wollen, brauchen wir eine Strategie, wie wir in der Eurozone zu mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätzen kommen", sagte Schulz. "Wer die Abschottungspolitik der Vereinigten Staaten nicht will, und wer nicht will, dass der Brexit siegt", der müsse sich zu einer Vertiefung der Eurozone bekennen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist dagegen skeptisch, was einen möglichen Eurofinanzminister und ein gemeinsames Budget der Eurozone betrifft. Um diese Ideen umzusetzen, müssten europäische Verträge geändert werden, sagte er in Berlin. Dies sei im Augenblick ziemlich unrealistisch. "Auch die Franzosen haben keine Lust auf Vertragsänderungen."

Dennoch sehe er gute Bedingungen für eine enge deutsch-französische Kooperation unter dem neuen Präsidenten Macron, sagte Schäuble. Grundsätzliche politische Probleme sehe er keine. Er stimmte Macron im Grundsatz zu, dass in Europa mehr investiert werden müsse.

Schulz will sich im Wahlkampf an der Kampagne von Macron orientieren – und mit einem proeuropäischen Kurs auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck setzen. Macron habe bewiesen, dass man mit einer proeuropäischen Haltung Wahlen gewinnen könne. "Genau das habe ich auch vor", sagte Schulz. Er werde gerade in Zeiten weit verbreiteter EU-Kritik offensiv für eine vertiefte Zusammenarbeit der Euroländer werben, betonte der Sozialdemokrat.

Seine Entscheidung, Anfang des Jahres kein Ministeramt in Merkels Kabinett übernommen zu haben, bereut Schulz nicht. Er könne Merkel nicht herausfordern und zugleich ihrer "Richtlinienkompetenz unterworfen sein", sagte er. "Ich will sie ablösen. Das kann ich umso glaubwürdiger, je unabhängiger ich von ihr bin."

Martin Schulz - Höheres Bafög und Ehe für alle Der SPD-Kanzlerkandidat, Martin Schulz, spricht sich im Interview mit ZEIT Campus ONLINE für eine Erhöhung der Studienförderung aus. Auch zur Rentenfinanzierung äußerte er sich. © Foto: Andreas Prost/ZEIT ONLINE