Wahlniederlagen haben nie nur eine Ursache. Meist kommt ein ganzes Bündel an Gründen zusammen. Doch die Verluste der SPD bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein tragen in erster Linie einen Namen: den des bisherigen Ministerpräsidenten Torsten Albig. Mit seinem lauen Wahlkampf und vor allem einem verheerenden Interview über sein Beziehungsleben hat er seine Partei und die Küstenkoalition mit Grünen und SSW fast im Alleingang um die Mehrheit gebracht. Und sich um seine politische Reputation.

Dennoch und trotz aller Kritik, die ihm nun aus der Landes-SPD und der Spitze der Bundespartei entgegenschlägt, denkt Albig nicht an Rückzug. Im Gegenteil: Zwei Tage nach der Wahl kündigte er trotzig an, eine neue Regierung bilden zu wollen. Was nur mit den Grünen und der FDP möglich wäre.

Doch die werden sich an diesem Possenspiel (hoffentlich) nicht beteiligen. Ein Politiker, der im Wahlkampf stoisch den Deichgrafen zwischen den Meeren gibt, während sein bis dato ziemlich unbekannter CDU-Herausforderer munter und erfolgreich attackiert, und der gleichzeitig über seine verlassene Noch-Ehefrau in der Bunten chauvihaft ablästert, sie sei ihm am Ende nicht mehr "auf Augenhöhe" begegnet, hat es nicht verdient, Ministerpräsident zu bleiben. Das wird er auch nicht.

Denn FDP-Vormann Wolfgang Kubicki hat bereits unmissverständlich klar gemacht, dass seine Partei auf keinen Fall über eine Ampelkoalition unter Führung von Albig verhandeln wird. Und die Grünen, Frauenrechten schon immer besonders zugetan, würden es ihren Wählerinnen nicht erklären können, weiter mit einem Mann zu regieren, der die Würde der Mutter seiner Kinder mit Füßen tritt.

Je länger Albig Ypsilanti-haft an seinem Machtanspruch festhält, desto mehr steigt deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass es in Kiel eine Jamaikakoalition geben wird, mit dem CDU-Wahlsieger Daniel Günther als Regierungschef. Auch dafür trüge er dann die Verantwortung.

Für die SPD steht weit mehr auf dem Spiel als Albgis Amt

Aber vielleicht werden ihn die Parteifreunde noch rechtzeitig zur Einsicht zwingen. Womöglich möchte Albig nur eine Schamfrist bis nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am kommenden Sonntag abwarten. Doch seiner Partei und seiner Düsseldorfer Noch-Ministerpräsidenten-Kollegin Hannelore Kraft würde er einen wesentlich größeren Gefallen tun, wenn er nicht länger fackelte.

Schließlich steht für die SPD viel mehr auf dem Spiel als Albigs Posten in Kiel. Hätte er seine Wahl nicht vergeigt, wären die Bedingungen für die Genossen in NRW zumindest stimmungsmäßig günstiger. Nun aber müssen sie mit der Hypothek einer zweiten Niederlage in diesem Jahr nach dem Saarland in die Wahl gehen. Verlieren sie die, kann Martin Schulz seine Hoffnungen auf das Kanzleramt begraben. Ganz schön viel Last für einen ehemaligen PR-Mann, der sich in die Politik verirrte.