Armin Laschet hing im NRW-Landtagswahlkampf ein zweifelhafter Ruf an. Zu nett, zu defensiv, zu sehr auf Linie der Kanzlerin – dem Spitzenkandidaten der CDU wurden trotz der Schwäche der rot-grünen Landesregierung lange keine guten Chancen ausgerechnet. Am Ende hat seine Partei dennoch deutlich gewonnen. Woher kamen die vielen neuen Stimmen?

Der Blick auf die Wählerwanderungen zeigt, dass die CDU vor allem in zwei Lagern mobilisiert hat: bei den Nichtwählern und bei der SPD. Von den Sozialdemokraten wechselten laut den Daten von infratest dimap rund 310.000 Wähler zur CDU, bei den Nichtwählern waren es sogar 430.000. Auch die Grünen verloren mit 90.000 Stimmen beachtlich an die Partei von Laschet.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Diese Verluste wurden von Rot-Grün nicht ausreichend kompensiert. Zwar konnte die SPD unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft immerhin 170.000 frühere Nichtwähler für sich gewinnen. Ansonsten verzeichnete die Partei aber in signifikanter Größenordnung nur Abwanderungen. Davon profitierten neben der CDU auch die Liberalen, die 160.000 Stimmen von den Sozialdemokraten abzogen.

Die Grünen wurden mitunter am deutlichsten abgestraft: Ihr Ergebnis halbierte sich, wohl auch aufgrund der umstrittenen Schulpolitik in NRW. Die Wählerwanderung zeigt, dass die Partei an alle Lager Stimmen verlor – und keine hinzugewinnen konnte.

Die AfD konnte ihr Potenzial dagegen vor allem unter Nichtwählern und solchen Stimmberechtigten aktivieren, die bisher eine Kleinstpartei gewählt haben. Rund 420.000 AfD-Wähler stammen laut infratest dimap aus diesem Spektrum. Insgesamt immerhin 110.000 neue Stimmen kamen aber auch von SPD und CDU.

Weniger Arbeiter für die SPD

Wie sehr die SPD gelitten hat, zeigt sich auch bei der Aufschlüsselung nach sozioökonomischen Merkmalen. Zwar dominieren die Sozialdemokraten bei ihrer Stammklientel, den Arbeitern und Arbeitslosen. Unter den Arbeitern verlor die Partei im Vergleich zur Wahl 2012 aber mit acht Prozentpunkten deutlich an Zustimmung, während die AfD in dieser Gruppe insgesamt 17 Prozent erreichte und damit deutlich überproportional abschnitt. Beachtlich ist zudem der Einbruch der SPD bei den Angestellten von ebenfalls acht Prozentpunkten. Die CDU legte dagegen in dieser Gruppe und besonders auch bei den Selbstständigen mit acht beziehungsweise elf Prozentpunkten deutlich zu.

Beim Alter sind die Stimmanteile dagegen relativ gleichmäßig verteilt. Bemerkenswert ist hier, dass die SPD in der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen mobilisierte, während die CDU stärker die Rentner überzeugte. Auch bei den Jungen konnte die Partei von Laschet punkten.

Bei der Bildung wird schließlich deutlich, dass die CDU bei den Wählern mit Abitur besonders stark abschnitt. Auch werden die üblichen Verteilungen deutlich: Während AfD-Wähler überproportional einen niedrigen Bildungsabschluss aufwiesen, ist es bei den Grünen genau umgekehrt.

Die Wahl in NRW dürfte bundespolitische Trends setzen, auch wenn sie sicher keine Vorentscheidung ist. Einer dieser Trends könnte die Wahlbeteiligung betreffen: Diese lag mit 65,2 Prozent so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr.

  • Stimmen­verteilung
  • Gewinne & Verluste
  • Koalitions­rechner