Eigentlich ist es ein Aufregerthema. Nach Amokläufen, Morden, Unfällen oder Anschlägen mit Schusswaffen wird jedes Mal diskutiert: Sind Deutschlands Waffengesetze streng genug? Ist es für Kriminelle zu leicht, an Waffen heranzukommen und sind Gewehre, Pistolen und Revolver bei Berufswaffenträgern, Sportschützen, Jägern oder Waffensammlern sicher genug aufgehoben, um Diebstahl, Missbrauch und Unfälle zu verhindern?

Angesichts dessen überrascht es, dass der Bundestag am Donnerstag fast unbemerkt von der Öffentlichkeit diverse Änderungen des Waffengesetzes (WaffG) und der entsprechenden Verordnungen beschlossen hat (hier der Entwurf als PDF), zusammen mit einer Amnestie, die allen, die eine illegale Waffe haben, für ein Jahr die Chance bietet, diese abzugeben – ohne bestraft zu werden.

"Das Gesetz sieht eine auf ein Jahr befristete Strafverzichtsregelung für den unerlaubten Besitz von Waffen und Munition vor, um so die Zahl illegal zirkulierender Waffen zu verringern", heißt es in der dazu veröffentlichten Presseerklärung des Bundestages. Straffreiheit für den illegalen Erwerb und Besitz von Waffen und Munition solle es danach geben, wenn diese innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes einer zuständigen Behörde oder Polizeidienststelle überlassen werden.

Neue Waffen müssen in sicherere Schränke

Zugleich wurde eine EU-Verordnung umgesetzt, in der es vor allem darum geht, wie rechtmäßige Besitzer von Waffen diese lagern dürfen. "Nach der Neuregelung müssen erlaubnispflichtige Schusswaffen in einem Waffenschrank der Stufe 0 nach EN 1143-1 aufbewahrt werden", erklärt der Deutsche Jagdverband die komplexen Änderungen der Gesetzestexte auf seiner Website.

Dies gelte erst mal nur für alle, die nach dem Inkrafttreten der Änderungen – wann das sein wird, steht noch nicht fest – erstmals eine Waffe oder einen neuen oder weiteren Waffenschrank erwerben. Für die bisher benutzen Schränke gelte ein Bestandsschutz: Diese dürfen weitergenutzt werden, auch für neu erworbene Waffen, sofern die Kapazität des alten Schrankes dazu ausreicht.  

Schränke, die nach EU-Norm die Stufe 0 – also den höchsten Sicherheitsstandard – erreichen, sind extrem aufbruchssicher, sehr schwer, feuerfest und mehrfach durch starke Schlösser verriegelt. Wiegt ein solcher Schrank mehr als 200 Kilogramm, dürfen darin jeweils bis zu zehn Lang- sowie Kurzwaffen lagern. Der optimale Waffenschrank hat für Munition separate abschließbare Fächer. In vielen Schränken niedrigerer Sicherheitskategorien darf Munition überhaupt nicht gleichzeitig mit Schusswaffen aufbewahrt werden.

Halbautomatische Waffen für Privatleute bleiben erlaubt

Nicht nur Soldaten, Polizisten, Sicherheitskräfte oder Berufsjäger – auch Privatpersonen dürfen weiterhin halbautomatische Waffen führen, wenn sie dazu die Berechtigung erworben haben. Die Grünen hatten einen Antrag gestellt, wonach Privatpersonen die Nutzung halbautomatischer Schusswaffen verboten werden sollte, sofern diese nach objektiven Kriterien – also etwa wegen der Anzahl der Selbstladungen, der Beschaffenheit des Laufs, des Kalibers oder der Magazinkapazität – besonders gefährlich oder Kriegswaffen nachgebildet sind beziehungsweise den Anschein von Kriegswaffen erwecken. Dieser Antrag kam jedoch nicht durch.

Gegen die Stimmen der Opposition hatte das Parlament schon im März einen weiteren Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt, wonach die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen sollte, der "regelmäßige qualifizierte Eignungs- und Zuverlässigkeitsprüfungen und entsprechende Kontrollen des privaten Waffen- und Munitionsbestands einschließlich deren Lagerung vorsieht" und "die besondere Missbrauchsgefahr angemessen berücksichtigt, die aus der gleichzeitigen Verfügbarkeit von schussfähigen Waffen und Munition in Privathaushalten resultiert". (Hier mehr zu den Positionen der einzelnen Fraktionen.)

Wie viele Waffen sind im Umlauf?

Wie viele Schusswaffen es in Deutschland gibt, lässt sich beim Statistischen Bundesamt nicht einfach nachschauen. Eine aufwendige Recherche der ZEIT kam 2014 auf 5,5 Millionen legale Schusswaffen in Deutschland, verteilt auf 1,45 Millionen Besitzer (siehe Grafik). Die ZEIT hatte dazu erstmals die Zahlen aller 550 Waffenbehörden zusammengetragen.