Zwei neue Umfragen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sehen die CDU vor der SPD. Laut der Forschungsgruppe Wahlen käme die Partei des CDU-Spitzenkandidaten Armin Laschet auf 32 Prozent, die SPD auf 31. Laschet könnte damit die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SDP) ablösen. Drittstärkste Kraft würde die FDP mit 13,5 Prozent, Linke (6), AfD (6,5) und Grüne (6,5) liegen beinahe gleichauf. Das zweite Institut, YouGov, sieht die CDU mit 31 Prozent vor der SPD mit 30.

  • Stimmen­verteilung
  • Gewinne & Verluste
  • Koalitions­rechner

Eine Aufholjagd also für die CDU, die im sozialdemokratischen Stammland NRW lange als chancenlos galt. Zahlen des Instituts Forsa, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegen, zeigen, aus welchen Quellen sich der Aufschwung speist.

Forsa hat zu Beginn und gegen Ende des Wahlkampfes eine repräsentativ zusammengesetzte Wählergruppe in NRW dazu befragt, wie sie die Spitzenkandidaten bewerten. Der Trend: Der CDU-Herausforderer von Kraft wurde im Laufe des Wahlkampfs populärer. 18 Prozent der Befragten gaben an, ihr Bild von Armin Laschet habe sich verbessert. Die eigenen Anhänger, aber selbst Anhänger von SPD und Grünen, sehen den ehemaligen Landes-Integrationsminister inzwischen positiver als früher. Für sechs Prozent fiel die Bewertung schlechter aus, 72 Prozent haben ihre Meinung nicht geändert.

Einen deutlichen Sprung in der Popularität machte der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner. 45 Prozent der Wahlberechtigen bewerten ihn positiver als zu Beginn des Wahlkampfes. Selbst Wählern von SPD (31 Prozent) und Grünen (26 Prozent) gefällt der FDP-Chef inzwischen besser.

Anders die Ministerpräsidentin. Die Beliebtheit von Hannelore Kraft sank im Laufe der Wahlkampfwochen. Nur ein Prozent der Wähler beurteilt sie positiver, acht Prozent hingegen haben inzwischen ein schlechteres Bild von ihr. Allerdings zehrt sie immer noch von ihrem großen Amtsbonus – sie bleibt eine populäre Spitzenkandidatin im Land. Weil sie das Land seit sieben Jahren regiert, haben die meisten Befragten eine verfestigte Meinung von Kraft. 

Flankiert von Parteichef Martin Schulz wirbt Kraft im Wahlkampf mit dem Thema soziale Gerechtigkeit. Die CDU profiliert sich mit Innerer Sicherheit und besserer Infrastruktur – Autobahnen und Breitbandnetz. Beides gefällt den Wählern der Mitte. Anhänger von SPD und CDU finden zu 61 beziehungsweise 69 Prozent, dass im Wahlkampf die richtigen Themen behandelt werden. Bei Grünen und FDP ist der Wert ähnlich hoch. Lediglich Anhänger der Linkspartei (32) und der AfD (20) sind unzufrieden mit den Themen im Wahlkampf.

Der Wahlkampf der CDU kommt bei den eigenen Anhängern sehr gut an. Auf die Frage, wer den besten Wahlkampf gemacht habe, antworten 74 Prozent der CDU-Anhänger: die Christdemokraten. Nur die FDP-Basis ist ähnlich überzeugt von der eigenen Partei. Bei der SPD fällt dieser Wert deutlich geringer aus: Nur 58 Prozent der Sozialdemokraten finden, dass die SPD den besten Wahlkampf gemacht hat.

Die eigene Basis nicht hinreichend zu begeistern, das kann, besonders bei einer so knappen Wahl, zum Verhängnis werden.

Dramatisch ist die Situation bei den Grünen. Anhänger der Öko-Partei sind zu 42 Prozent der Meinung, dass die SPD einen guten Wahlkampf macht – die Zustimmung zum eigenen Wahlkampf liegt hingegen nur bei 25 Prozent. Nicht umsonst dümpelt die derzeitige Regierungspartei in Umfragen seit Monaten knapp über der Fünfprozenthürde.

Persönliche Beliebtheit verknüpft mit Themen, die bewegen und einer hohen Popularität unter den eigenen Anhängern – so entscheiden sich knappe Wahlkämpfe. Der CDU gelang es, das für sich zu nutzen. Und das schlägt sich in den Erhebungen nieder.

Allerdings hat sich gezeigt, dass die Umfragen in NRW extrem volatil sind. Ein Beispiel: Ende April lagen bei Infratest Dimap SPD und CDU gleichauf mit 34 Prozent. Zwei Tage später sah das Institut YouGov die SPD plötzlich neun Prozentpunkte vor der CDU. Wiederum drei Tage darauf bestätigte Forsa diesen Trend mit immerhin sieben Punkten Abstand. Wenig später war bei Infratest Dimap der Vorsprung der SPD wieder auf einen Prozentpunkt geschmolzen.

In dieser kurzen Zeit hatte keine der beiden Volksparteien mit einem großen Thema die Öffentlichkeit dominiert, (wie zum Beispiel der Schulz-Effekt bei der SPD auf Bundesebene Anfang des Jahres). Man kann also davon ausgehen, dass die tatsächlichen Meinungsausschläge in der Bevölkerung kleiner waren als die Umfragen suggerieren. In den vergangenen Wochen hat sich lediglich ein Trend verstetigt: Die CDU ist auf Schlagweite an die SPD herangerückt, das Ergebnis dürfte knapp werden.