WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat die Einstellung der schwedischen Ermittlungen gegen ihn als "wichtigen Sieg" bezeichnet. Mit gereckter Faust trat er auf den Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Dort hat Assange fast fünf Jahre verbracht, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. 

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Stockholm überraschend angekündigt, die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange aus dem Jahr 2010 nicht weiterzuverfolgen. Die Ermittlungen gegen ihn könnten nur weitergeführt werden, wenn er sich einem Prozess in Schweden stelle, hieß es zur Begründung. Damit ist er jedoch noch kein freier Mann. Die britische Polizei kündigte an, ihn festzunehmen, sobald er die Botschaft verlasse.

Assange sagte, er habe ein Recht auf politisches Asyl. Daher sei die Behauptung, man könne ihn in Großbritannien festnehmen, "nicht haltbar". Der Konflikt mit Großbritannien und den USA sei noch nicht beendet. Scharf kritisierte der 45-Jährige, dass er sieben Jahre ohne Anklage festgehalten worden sei. Fünf Jahre davon habe er in der ecuadorianischen Botschaft in London verbringen müssen. "Das kann ich nicht vergeben und nicht vergessen", sagte Assange. Das sei nicht das, "was wir von einem zivilisierten Staat erwarten".

Seinen Kampf sieht Assange mit der Einstellung des Verfahrens nicht beendet. "Der richtige Krieg fängt gerade erst an", sagte er. Seine Anwälte würden mit den britischen Ermittlern Kontakt aufnehmen, um die weiteren Optionen zu besprechen. Neben den nun fallen gelassenen Vorwürfen droht ihm auch deswegen eine Festnahme, weil er seine Bewährungsauflagen missachtet hatte. Assange befürchtet, dass er an die USA ausgeliefert und dort angeklagt werden könnte, weil er mit WikiLeaks geheime US-Dokumente veröffentlicht hatte. In seinem Statement sagte Assange, er sei gerne dazu bereit, mit dem US-Justizministerium über die Vorwürfe zu sprechen. Dagegen sagte die Anwältin des mutmaßlichen Opfers, es sei ein Skandal, auf welche Weise sich Assange der Justiz und einem Prozess entzogen habe. Ihre Mandantin bleibe bei ihrem Vergewaltigungsvorwurf.

Das schwedische Radio hatte zuvor unter Berufung auf einen Anwalt Assanges berichtet, dass der WikiLeaks-Gründer eine Klage gegen Schweden erwäge. Der Anwalt glaube, dass Assange auf lange Sicht versuchen werde, nach Ecuador auszureisen.

Ecuador fordert freies Geleit für Assange

Ecuador und den Vereinten Nationen dankte Assange für die Unterstützung. Das Land forderte freies Geleit, damit Assange die Botschaft verlassen kann. "Der europäische Haftbefehl gilt nicht mehr", sagte Außenminister Guillaume Long. Großbritannien müsse Assange daher eine sichere Passage garantieren. Long kritisierte, dass die schwedische Staatsanwaltschaft über vier Jahre gebraucht habe, das Angebot anzunehmen, Assange in der Botschaft zu befragen.

WikiLeaks wird laut Assange seine Veröffentlichungen fortsetzen – Informationen des Guardian zufolge auch über den US-Geheimdienst CIA. Die Plattform steht in der Kritik, sowohl aufgrund von Veröffentlichungen als auch öffentlichen Äußerungen. So hatte WikiLeaks nach dem Anschlag im Pariser Bataclan-Theater getwittert, der Anschlag sei das "Resultat einer westlichen Politik". Auch antisemitisch interpretierbare Tweets wurden abgesetzt. Im vergangenen Sommer veröffentlichte WikiLeaks interne E-Mails der US-Demokraten im Wahlkampf der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die Hacker mutmaßlich im Auftrag von Russland beschafft hatten.