Einer Studie der Uni Leipzig zufolge spricht die AfD nicht in erster Linie die ökonomisch Abgehängten der Gesellschaft an. "Es gibt unter AfD-Wählern sogar mehr Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen als bei mancher anderen Partei", sagte der Leiter der Untersuchung, der Soziologe Holger Lengfeld, in einem Gespräch mit der ZEIT. 

Potenzielle AfD-Wähler seien "nicht allein das, was man gemeinhin 'kleine Leute' nennt", sagte Lengfeld. Die rechtspopulistische Partei habe Unterstützer in der gesamten Bevölkerung: Arbeiter, Angestellte, Akademiker. "Personen mit mittlerem Schulabschluss sind unter AfD-Wählern sogar etwas stärker vertreten als bei anderen Parteien." 

Für die Untersuchung hat Lengfeld umfangreiche Rohdaten neuer repräsentativer Meinungsumfragen statistisch ausgewertet und Zusammenhänge zwischen sozialem Status und der Wahlabsicht der Bürger untersucht. "Das Ergebnis hat mich selbst überrascht", sagte Lengfeld. Die AfD werde so gut wie gar nicht aus ökonomischen Gründen gewählt, sondern vor allem weil sie sich gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung und allgemein gegen die etablierten Parteien positioniere. 

Versuche etwa der SPD, im Wahlkampf stärker auf soziale Gerechtigkeit zu setzen, würden die AfD demzufolge kaum Wähler kosten. "Die Annahme, man könnte der AfD potenzielle Wähler abluchsen, indem man für mehr Umverteilung sorgt, halte ich für einen Fehlschluss – und das ist ein zentrales Ergebnis unserer Untersuchung", sagte Lengfeld. "Jemand, der die AfD gut findet, wird nicht zur SPD wechseln, weil die die größeren sozialen Versprechungen macht."