Unionspolitiker haben sich gegen den von der Opposition geforderten kompletten Stopp von Abschiebungen nach Afghanistan ausgesprochen. "Das wäre eine Einladung für alle Schlepper und Schleuser, wenn man mit Sicherheit davon ausgehen könnte, dass auch abgelehnte afghanische Asylbewerber unser Land nicht verlassen müssten, weil sie nicht abgeschoben würden", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), der Passauer Neuen Presse.

"Ein vollständiger Abschiebestopp wäre auch ein Sieg für die Terroristen", argumentierte Mayer. Allerdings sei es richtig, nach dem Anschlag vom Mittwoch in der Hauptstadt Kabul eine Neubewertung der Sicherheitslage vorzunehmen und bis dahin auf Abschiebungen zu verzichten. Für Straftäter und Gefährder dürfe dies aber nicht gelten.

Nach dem Terroranschlag in Kabul mit mindestens 90 Toten will die schwarz-rote Bundesregierung Afghanen vorerst nur in begrenzten Fällen in deren Heimat zurückschicken. Außen- und Innenminister sollten bis spätestens Juli die Lage erneut prüfen. Von vielen Seiten – von Linken, Grünen, Menschenrechtsgruppen, aber auch aus der SPD – kam die Forderung, Abschiebungen in das Land sofort und ausnahmslos zu stoppen. Der Justiziar der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, erwiderte, auch nach dem Anschlag in Kabul habe sich die allgemeine Sicherheitslage im Land nicht geändert. "Es gibt weiterhin inländische Fluchtalternativen, sichere Provinzen so groß wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen", sagte der CSU-Politiker der Passauer Neuen Presse.

Die afghanische Regierung hatte zuletzt einen Stopp aller Abschiebungen von Afghanen aus Deutschland gefordert. Die gegenwärtige Lage in ihrem Land sei "gemäß dem humanitären Völker- und Flüchtlingsrecht so, dass afghanische Flüchtlinge nicht mehr nach Afghanistan geschickt werden dürfen", sagte die stellvertretende Flüchtlingsministerin Alema Alema der Deutschen Welle.