Die Union will Familien künftig besonders entlasten. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe in der CDU-Vorstandssitzung zugesagt, dass das Wahlprogramm der Union eine Erhöhung des Kinderfreibetrags und des Kindergeldes enthalten werde, erfuhr ZEIT ONLINE aus Teilnehmerkreisen. Beide Maßnahmen sollen in zwei Stufen kommen, die jeweils ein Volumen von vier Milliarden Euro haben sollen. Die Summe von acht Milliarden Euro komme auf die von Finanzminister Wolfgang Schäuble seit Längerem angekündigten Steuererleichterungen von 15 Milliarden Euro noch oben drauf, hieß es.

Der Kinderfreibetrag solle bis 2021 wahrscheinlich in zwei Schritten von derzeit 7.356 auf 17.640 Euro steigen, was Eltern steuerlich entlasten würde. Parallel dazu soll das Kindergeld in zwei Schritten um jeweils 20 Euro steigen, um Geringverdiener nicht zu benachteiligen.

Darüber hinaus will die Union ein Baukindergeld mit einem Volumen von etwa einer Milliarde Euro einführen. Zudem soll für Familien die Grunderwerbssteuer beim Kauf der ersten Immobilie wegfallen. Damit kämen Merkel und die CDU-Spitze Forderungen aus den Reihen des CDU-Wirtschaftsflügels, der Jungen Union und der CSU entgegen, die moniert hatten, dass die bislang geplante Entlastung von 15 Milliarden Euro zu wenig sei.

Im Bundesvorstand der CDU wurden zudem Pläne vorgestellt, einen Rechtsanspruch für Ganztagesbetreuung für Kinder im Grundschulalter einzuführen. Dieser Punkt gilt allerdings laut der Nachrichtenagentur Reuters noch nicht als Konsens.

Im Vorstand habe generell große Zufriedenheit mit den Ankündigen geherrscht, hieß es. Allerdings gib es noch nichts Schriftliches. Endgültig abgesprochen werden soll der Entwurf in der Parteispitze am kommenden Wochenende. Am Montag wollen die Vorstände von CDU und CSU das Programm dann gemeinsam beschließen.

Spitzensteuersatz erst ab 60.000 Euro

Im Rahmen der von Schäuble angekündigten Milliarden-Entlastungen bei der Einkommenssteuer solle der Spitzensteuersatz von 42 Prozent künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60.000 Euro (bisher 53.666 Euro) erhoben werden, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Zudem solle der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent abgebaut werden. Es würden 11 Schritte von je 0,5 Prozent bis zum Jahr 2030 erwogen. In der Union werden für den Soli-Abbau Zeiträume von fünf bis elf Jahren diskutiert.

"Wir sind uns einig, dass wir niemanden mehr belasten wollen, sondern alle entlasten wollen", hatte CDU-Generalsekretär Tauber nach der Vorstandssitzung am Montag gesagt. Er schloss damit nicht nur Steuererhöhungen aus, sondern kündigte auch an, dass die Union weiter an einem ausgeglichenen Bundesetat festhalten wolle.

Auch das Thema Rente tauche im Wahlprogramm auf, sagte Tauber. "Wir legen nur großen Wert darauf, dass die Rente bis 2030 gut aufgestellt ist", sagte er zur SPD-Kritik, die Union wolle dem Thema ausweichen. Die Umsetzung der Rente mit 67 laufe noch bis 2029. "Wir sind der Überzeugung, dass für die nächste und die übernächste Legislaturperiode die Rente gut geregelt ist", sagte er.

Keine Erhöhung des Renteneintrittsalters

Den Vorwurf der SPD, die Union wolle das Renteneintrittsalter erhöhen, wies Tauber zurück. "Es wird keine Erhöhung des Renteneintrittsalters geben." Der CDU-Generalsekretär kündigte an, dass es in dem Programm auch eine Aussage zu erhöhten Ausgaben für Verteidigung und Entwicklungshilfe gebe werde.

Zu den Punkten, die noch strittig sind, gehört der weitere Umgang mit dem Doppelpass. Die große Koalition hatte in dieser Legislaturperiode das sogenannte Optionsmodell abgeschafft, wonach Kinder ausländischer Eltern sich bis zum 23. Lebensjahr zwischen ihrer deutschen und der ausländischen Staatsbürgerschaft entscheiden mussten. Der CDU-Parteitag beschloss allerdings im vergangenen Dezember gegen den Willen Merkels die Rückkehr zu diesem Optionsmodell. Auch die CSU befürwortet das.