Die historische Entscheidung für die Ehe für alle im Bundestag ist da. 393 Abgeordnete stimmten am Morgen dafür, 226 dagegen, 4 enthielten sich. In den Fraktionen der SPD, der Grünen und der Linkspartei stimmten jeweils 100 Prozent der anwesenden Abgeordneten für das Gesetz. Bei der SPD konnte lediglich Wolfgang Gunkel seine Stimme nicht abgeben. Sein Büro teilte auf Nachfrage mit, er hätte mit Ja gestimmt, wäre er nicht krank gewesen. Auch der Abgeordnete der Linken, Axel Trost, konnte wegen Krankheit nicht im Bundestag erscheinen: "Ich konnte leider nicht kommen, weil ich nicht aufstehen darf. Aber ich habe alles per Livestream verfolgt", sagte er ZEIT ONLINE.

In der Fraktion von CDU/CSU haben mehr als drei Viertel der Abgeordneten das neue Gesetz abgelehnt. Unter den 225 Abgeordneten, die sich dagegen aussprachen, befinden sich der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder und die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Beide hatten zuvor in ihren Reden ihr Ablehnen bekräftigt und Toleranz für ihre Meinung eingefordert.

Insgesamt 75 Abgeordnete der Union haben sich dennoch für einen progressiveren Kurs entschieden und mit Ja gestimmt. Einige prominente Politiker wie Finanzstaatssekretär Jens Spahn hatten ihr Ja bereits angekündigt. Für ihn sei die Öffnung der Ehe "ein logischer Schritt". Auf Twitter hatte Spahn zuvor die überraschend angesetzte Abstimmung als "unwürdig" kritisiert.

Auch die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) stimmte mit Ja, genauso wie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, sowie Merkels Kanzleramtschef Peter Altmaier und ihr CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Unter dem Titel Die Ehe ist ein äußerliches, weltlich Ding begründete Tauber in seinem Blog seine Entscheidung: "Der Artikel 1 unseres Grundgesetzes stellt die Würde des Menschen an die erste Stelle." Man wolle in einer Gesellschaft leben, in der niemand aufgrund "seiner Herkunft, seiner Meinung, seines Glaubens oder seiner sexuellen Orientierung" diskriminiert werde, schrieb Tauber.

"Kein Angriff auf das Institut der Ehe"

Auch in den Reihen der CSU gab es insgesamt sieben Ja-Stimmen, unter anderem von der Nürnberger Abgeordneten Dagmar Wöhrl. In einem Beitrag für die Huffpost Deutschland begründete sie ihre Entscheidung: "Der Ehebegriff hat sich im historischen Verlauf immer wieder stark gewandelt." Sonst gäbe es heute noch die Schuldfrage bei Ehescheidungen und keine Ehefrau dürfte ihr eigenes Bankkonto eröffnen, ohne die Zustimmung ihres Mannes zu haben, schreibt Wöhrl.

Hans Michelbach aus dem Coburger Wahlkreis begründete der Zeitung In Franken seine Entscheidung mit den Worten: "Ich bin ein christlich wertkonservativer Mensch; deshalb habe ich nichts dagegen, wenn auch zwei Männer oder zwei Frauen Ja zueinander sagen." Der CSU-Abgeordnete Bernd-Bernhard Fabritius hatte bereits zuvor angekündigt: "Ich werde zustimmen, weil ich davon überzeugt bin, dass das nicht ein Angriff auf das Institut der Ehe darstellt." Die Regelung der Zivilehe sei keinerlei Angriff auf das kirchliche Sakrament der Ehe und auch kein Angriff auf den Zusammenhalt in der Familie.

Auch der Münchner CSU-Abgeordnete Wolfgang Stefinger stimmte mit Ja, genauso wie Gudrun Zöllner, Tobias Zach und Astrid Freudenstein von der CSU.

Insgesamt vier Abgeordnete der Union enthielten sich der Stimme: die beiden Richterinnen Silke Launert und Elisabeth Winkelmeier-Becker, sowie Albert Weiler und Uda Heller.

Patt im Kabinett

Hätte das Kabinett entscheiden dürfen, hätte es übrigens keine Entscheidung gegeben. Insgesamt haben jeweils sieben Kabinettsmitglieder für Ja und sieben für Nein gestimmt. Obwohl Kanzlerin Angela Merkel sich für das volle Adoptionsrecht ausgesprochen hat, ist sie dagegen, die Ehe für alle zu öffnen.

Auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) stimmte mit Nein. Sein Ministerium muss das Gesetz jetzt so vorbereiten, dass es in allen Standesämtern so schnell wie möglich umgesetzt werden kann. Auch Landwirtschaftsminister Christian Schmid (CSU), Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnen die Ehe für alle ab.

Die befürwortenden Kabinettsmitglieder sind neben Altmaier und von der Leyen auch die SPD-Politiker Sigmar Gabriel, Familienministerin Katarina Barley, Arbeitsministerin Andrea Nahles, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Umweltministerin Barbara Hendricks. 

Hendricks will Partnerin einen Antrag machen

Bei einer Kundgebung der Sozialdemokraten vor dem Brandenburger Tor in Berlin sagte Barbara Hendricks, sie spiele mit dem Gedanken, ihrer langjährigen Partnerin nun einen Antrag zu machen. "Ich hab sie jetzt noch nicht gefragt, aber ich überlege", sagte Hendricks, die auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist.

Da Justizminister Heiko Maas (SPD) und Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) keine gewählten Abgeordneten des deutschen Bundestages sind, konnten sie nicht abstimmen.