Wer setzte sich mehr durch?

Für die ersten beiden Jahre der Koalition scheint diese Antwort eindeutig: Die meisten arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesetze, die in dieser Zeit beschlossen wurden, trugen die Handschrift der SPD. Man habe aus der ersten großen Koalition unter Merkel eine Lehre gezogen und diesmal sehr konkrete Projekte in den Koalitionsvertrag geschrieben, sagt die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Christine Lambrecht.

Die Union konnte auf der Haben-Seite zunächst vor allem verbuchen, dass die Koalition seit 2014 beim Bundeshaushalt immer eine schwarze Null vorlegen konnte und keine Steuern erhöht wurden. Nach 2015 verschob sich allerdings das Kräfteverhältnis. Denn viele der asyl- und sicherheitspolitischen Verschärfungen, die im Zuge der Flüchtlingskrise beschlossen wurden, gingen eher von der Union aus. Die SPD trug sie dann weitgehend mit. "Mit der FDP wäre das kaum möglich gewesen", glauben viele in der Union.

Wie war das Koalitionsklima?

Gemessen an den Beschimpfungen, mit denen sich die Koalitionspartner zu schwarz-gelben Zeiten bedachten ("Wildsäue", "Gurkentruppe"), verlief die Zusammenarbeit in der großen Koalition weitgehend reibungslos. Man sei "menschlich normal" miteinander umgegangen, heißt es bei der Union. Als "respektvoll und sachlich" beschreibt auch Lambrecht die Grundhaltung der Koalition. Dies liege auch daran, dass die wichtigsten handelnden Akteure sowohl in der Regierung als auch in der Fraktion sich seit Jahren gut kennen.

In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode stand dann vor allem die erbitterte Auseinandersetzung über die richtige Flüchtlingspolitik zwischen CDU und CSU im Vordergrund. Die Konflikte zwischen Union und SPD fielen da kaum noch auf.

Der Eklat kam erst ganz am Ende: Gegen den Willen der Unionsfraktion setzten SPD, Grüne und Linke am Freitag eine Abstimmung über die Ehe für alle durch. Auf Unionsseite ist man über diesen "Vertrauensbruch" äußerst erbost. Wäre so etwas zur Mitte der Legislaturperiode geschehen, wäre die Koalition wohl zerbrochen. Mit Blick auf die ohnehin anstehende Wahl blieb es beim Schimpfen.

Wie erging es der Opposition?

Grüne und Linke hatten es in dieser Legislaturperiode nicht leicht, das galt schon rein zahlenmäßig: Gemeinsam verfügten sie lediglich über 127 der 631 Sitze im Parlament. Damit die beiden Fraktionen ihre Oppositionsrolle überhaupt ausüben konnten, änderte der Bundestag die Geschäftsordnung. Das Quorum für etliche Minderheitsrechte – etwa die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses – wurde für die Dauer der Legislaturperiode abgesenkt. Bundestagspräsident Norbert Lammert habe sich sehr für die Rechte der kleineren Fraktionen eingesetzt, sagt Bartsch.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisiert den Umgang der Regierung mit dem Parlament und der Opposition dagegen als "arrogant". "Rund 55% aller Kleinen Anfragen in dieser Wahlperiode wurden erst nach Ablauf der Frist beantwortet, rund 30 Prozent erst nach einer Fristverlängerung", klagt er. So werde der Opposition die Kontrolle der Regierung erschwert. Die vielen Untersuchungsausschüsse, zum Beispiel zum Diesel-Skandal, NSA, NSU und dem Cum-Ex-Skandal seien charakteristisch für diese Koaltion gewesen.

Was hielten die Bürger von der großen Koalition?

Die Bürger waren mit der großen Koalition vor allem in der Anfangsphase außerordentlich zufrieden. Im ARD-Deutschlandtrend im August 2014 wurde eine Zustimmung von 59 Prozent ermittelt. Das war der höchste Wert, der im Rahmen dieser Umfrage je für eine Regierungskoalition gemessen worden war. Im Zuge der Flüchtlingskrise ging die Zufriedenheit zurück und lag nur noch bei knapp 40 Prozent. Von den Tiefstständen, die sowohl die erste große Koalition unter Merkel (knapp unter 20 Prozent) als auch das schwarz-gelbe Regierungsbündnis (knapp über zehn) zwischenzeitlich erreichten, blieb das Regierungsbündnis damit allerdings selbst in der Phase, in der sich Deutschland nach Auffassung vieler Beobachter in einem Ausnahmezustand befand, deutlich entfernt.

Laut einer Forsa-Umfrage von Mitte Mai 2017 ist eine große Koalition von allen Koalitionsoptionen auch für die Zukunft die beliebteste Variante. 25 Prozent wünschen sich eine Fortsetzung, immerhin 23 Prozent – und damit fast genauso viele – hätten allerdings gerne eine schwarz-gelbe Koalition. Alle anderen Möglichkeiten schneiden deutlich schlechter ab.