Vielfach sind die Verdienste Helmut Kohls für Deutschland und Europa gewürdigt worden, Bundestagspräsident Nobert Lammert (CDU) erinnerte nun im Bundestag an den Politiker: "Wir verdanken es wesentlich ihm, dass sie heute Realität ist, die friedliche Einheit unseres Landes in einem freien und befriedeten Europa", sagte er zu Beginn der Parlamentssitzung. "Kohl bewies 1989 eine Weitsicht, die im Westen vielen bereits abhanden gekommen war."

An der Würdigung Kohls im Bundestag nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie die Altbundespräsidenten Joachim Gauck und Horst Köhler teil.

Lammert sprach von Kohl als der "personifizierten vertrauensbildenden Maßnahme der Weltpolitik". Er habe die deutsche Einheit im Staat- und Wertesystem des Westens mit dem Einverständnis der Nachbarn erreicht. "Wir Deutsche können uns glücklich schätzen, Politiker solchen Formats zu haben, um die uns auch manche Nachbarn beneiden." Der Altkanzler sei ein "leidenschaftlicher Parlamentarier und wuchtiger Redner" gewesen. "Er konnte hart austeilen, musste aber ebenso heftig einstecken."

Einmaliger europäischer Trauerakt

Auch an Niederlagen und Schwächen des Altkanzlers erinnerte Lammert: "Kohls Weg säumten nicht zuletzt Verletzungen – die er selbst erlitt und die er anderen zufügte." Er sprach Kohls Spendenaffäre von 1999 an: "Manche Fehler räumte Kohl selbst ein. Dass sein Abschied nach dem Verlust der Regierungsverantwortung auch aus der aktiven Politik so wurde, wie es in der Formulierung seines Biografen Hans-Peter Schwarz die Umstände der 'kreativen Verschleierung von Parteispenden' am Ende erzwangen, hängt wieder mit der außergewöhnlichen, bisweilen auch außergewöhnlich sturen Persönlichkeit Kohls zusammen."

Der Altkanzler war mit 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Im Dezember 1999 sorgte Angela Merkel als CDU-Generalsekretärin mit einer öffentlichen Distanzierung in Zusammenhang mit der Spendenaffäre wesentlich für Kohls Sturz. Kein Bundeskanzler war bisher länger im Amt als Kohl, der Deutschland von 1982 bis 1998 regierte.

Für den 1. Juli ist ein bisher einmaliger europäischer Trauerakt im Europaparlament in Straßburg geplant, bei dem Merkel und führende Vertreter Europas die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers würdigen werden. Auch Reden von EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sowie dem französischen Staatsoberhaupt Emmanuel Macron und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton sind geplant. Danach soll der Leichnam mit einem Hubschrauber der Bundespolizei zunächst an Kohls Heimatort Ludwigshafen geflogen werden, von wo aus er weiter nach Speyer gebracht wird.

Kohls Witwe Maike Kohl-Richter hatte den Wunsch geäußert, dass es keinen zusätzlichen nationalen Staatsakt für Kohl geben solle. Auch darauf ging Lammert ein: "Es versteht sich von selbst, dass die Würdigung für Kohl, bei allem Respekt, nicht nur eine Familienangelegenheit ist."