Angela Merkel zum Tod von Altkanzler Helmut Kohl "Ich verneige mich vor seinem Angedenken" – mit diesen Worten würdigt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Amtsvorgänger Helmut Kohl, der am Freitag gestorben ist. Er, der Kanzler der Einheit, sei ein großer Europäer gewesen. © Foto: Jörg Blank/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erreichte die Nachricht vom Tod Helmut Kohls in Rom auf der Fahrt zum Vatikan. Die Kanzlerin änderte sofort ihr Programm und würdigte Kohl am Abend als "Glücksfall für uns Deutsche". Merkel, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist, hob ihre ganz persönliche Verbundenheit mit seinem Wirken hervor: "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert." Dank seines Wirkens habe sie ein Leben in Freiheit führen und das Leben in der Diktatur verlassen können.

Merkel erinnerte an Kohls Verdienste als "Kanzler der Einheit" sowie um das Zusammenwachsen Europas. Wie Kohl nach dem Fall der Mauer zusammen mit Mitstreitern die Gunst der Stunde genutzt habe, "das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens", sagte die Kanzlerin. Auch die CDU, die er als Modernisierer geprägt habe, habe ihm "so viel zu verdanken", hob Merkel hervor. "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat."

Reaktionen zum Tod von Helmut Kohl - Frank-Walter Steinmeier zum Tod von Helmut Kohl Der Bundespräsident bezeichnet Kohl als "Ausnahmepolitiker und Glücksfall für deutsche Geschichte". Er habe sich mit dem Ziel, die Einheit in Freiheit zu erlangen, um Deutschland und Europa verdient gemacht. © Foto: Kay Nietfeld/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Kohls Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa. Insbesondere hob er in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe dessen "segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung" mit Frankreich hervor. "Wir trauern um einen großen Staatsmann – sein Werk wird Bestand haben", schrieb Steinmeier weiter: "Wir werden Helmut Kohl niemals vergessen."

Von einer "Persönlichkeit von historischer Größe" verabschiedete sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Das Parlament trauere um "einen deutschen Patrioten und den Ehrenbürger Europas", schrieb er an Kohls Witwe Maike Kohl-Richter. Für Kohl habe immer außer Frage gestanden, "dass die Geschicke der Deutschen immer auch die Europas sind".

SPD-Chef Martin Schulz zollte Kohl "Anerkennung für sein politisches Lebenswerk". Er habe "historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden", schrieb Schulz ebenfalls an die Witwe. Es sei Kohls "Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der deutschen Einheit möglich wurde".

Martin Schulz - "Die deutsche Sozialdemokratie verneigt sich vor dieser Jahrhundertpersönlichkeit" Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat sich betroffen zum Tod von Altkanzler Helmut Kohl. Er, der Kanzler der Einheit, habe das Land in einer entscheidenden Phase instinktsicher in die richtige Richtung geführt, sagte Schulz. © Foto: Sascha Schuermann/Getty Images

Verteidigungsministerin und CDU-Vize Ursula von der Leyen nannte Kohls Tod einen großen Verlust, er werde für die CDU immer ein Fixpunkt bleiben: "Helmut Kohl hat den Moment erkannt, in dem es möglich war, das Land wieder zu vereinen und zugleich ins Herz Europas zu führen. Das war ein Meisterstück an politischem Instinkt und Tatkraft."

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte, Kohl habe sehr viel dafür getan, dass nicht nur die deutsche Einheit gekommen, sondern auch dass Europa zusammengewachsen sei: "Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben." Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ehrte seinen Vorgänger als einen "großen Patrioten und Europäer": "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben", sagte Schröder den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

Grünen-Chef Cem Özdemir sprach auf dem Parteitag in Berlin über Kohl: "Sein Name wird für immer in Verbindung stehen mit einem der großartigsten Nachkriegsprojekte – der deutschen Wiedervereinigung." Kohl habe "eine Generation politisch geprägt", sagte FDP-Chef Christian Lindner. "Wir verneigen uns vor ihm." Die Partei- und Fraktionschefs der Linken, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch hielten fest: "Deutschland verliert mit ihm eine prägende Persönlichkeit mit einem widersprüchlichen Erbe."

Kohls Tod hat nicht nur in Deutschland Trauer und Betroffenheit ausgelöst. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker äußerte sich tief bestürzt und sehr persönlich: "Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund", teilte er mit. Er habe ihn auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet: "Er wird uns fehlen." In Gedenken an den Altbundeskanzler ließ Juncker die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete Kohl als Freund und Verbündeten der Vereinigten Staaten, der "die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte". Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis, hieß es in der Mitteilung des Weißen Hauses. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. "Sein Vermächtnis wird weiterleben."  

Der frühere US-Präsident George Bush senior nannte Kohl "einen der größten Staatenlenker von Nachkriegseuropa". Bush bezeichnete ihn in einer Erklärung als einen "wahren Freund der Freiheit", der sein Leben der Aufgabe gewidmet habe, die demokratischen Institutionen in seinem Heimatland und anderswo zu stärken. Beide Politiker gelten als Väter der deutschen Einheit, so wie auch der letzte Präsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow, der auf seiner Website schrieb: "Es war ein großes Glück, dass in dieser schwierigen Zeit an der Spitze der führenden Mächte Staatsmänner waren, die Verantwortungsbewusstsein hatten, die die Interessen ihrer Länder entschlossen vertreten haben, aber die auch in der Lage waren, die Interessen der anderen zu berücksichtigen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: "Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer." Macrons Tweet ist mit einem Foto illustriert, das Kohl mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand Hand in Hand zeigt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von Kohl als "die Verkörperung eines geeinten Deutschland in einem geeinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, war er der Lage gewachsen. Ein wahrer Europäer." Für Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu war Kohl "einer der größten Freunde des Staates Israel", welcher der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen sei. Der russische Präsident Wladimir Putin schrieb in einem Kondolenztelegramm: "Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen." Kohl sei auch ein prinzipieller Verfechter freundschaftlicher Beziehungen zwischen Berlin und Moskau gewesen.