Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Auswahl von Hamburg als Austragungsort für den G20-Gipfel gegen Kritik verteidigt. "Es war klar, es muss in einem Ballungsgebiet stattfinden", sagte Merkel im sogenannten ARD-Sommerinterview für die Sendung Bericht aus Berlin. Die Entscheidung, auch von ihr, sei dann auf Hamburg gefallen – und "ich habe mich gefreut, dass Olaf Scholz Ja gesagt hat".

"Wir haben das gemeinsam gestaltet", sagte Merkel zur Zusammenarbeit mit dem sozialdemokratischen Hamburger Bürgermeister. "Es sind dann Dinge passiert, die absolut nicht akzeptabel sind, und dafür habe ich genauso die Verantwortung wie Olaf Scholz und drücke mich auch nicht davor", sagte die Kanzlerin zu den Krawallen während des Gipfels

Merkel dankte erneut den Einsatzkräften, die während des Treffens der Spitzenpolitiker und ihrer Delegationen im Dienst waren. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten waren während der dreitätigen Ausschreitungen verletzt worden.

Dabei ging Merkel auf Abstand zur Haltung der Hamburger CDU, aus der nach dem Gipfel wegen der Krawalle der Rücktritt von Scholz gefordert worden war. Sie habe auch den Hamburger Parteifreunden gesagt, "dass ich das für falsch halte". Dies sehe auch mit Ausnahme Hamburgs das gesamte CDU-Präsidium so. Die Bundesregierung sei Gastgeberin des Gipfels gewesen, Scholz habe der Ausrichtung in seiner Stadt zugestimmt und "sich da jetzt hinterher auseinanderdividieren zu lassen, wäre aus meiner Sicht abenteuerlich".

In dem Interview reagierte Merkel auch auf die mehrfach von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geäußerte Kritik, die CDU bremse bei Investitionen in Deutschland. Die Bundesregierung habe bereits zahlreiche Investitionen unternommen, sagte Merkel. Für die Bereiche Straßenbau, Digitalisierung und Bildung sei bereits mittelfristig Geld zur Seite gelegt worden.

Merkel pflichtet Schulz' Forderung bei

Schulz hatte am Sonntag einen "Zukunftsplan für das moderne Deutschland" vorgestellt und dabei mit seiner Kritik nachgelegt. Er sagte in Anspielung auf die CDU: "Es gibt diejenigen, die auf die Zukunft warten. Wir wollen die Zukunft gestalten."

Merkel hat sich grundsätzlich hinter Schulz' Forderungen nach mehr Investitionen gestellt. Das Problem liege allerdings weniger in fehlenden Mitteln als in der langen Dauer von Planungsverfahren, sagte Merkel. "Wir können zurzeit das Geld, was wir haben, nicht ausgeben", sagte die Kanzlerin weiter.

Zu Forderungen von Schulz, Investitionsausgaben für den Staat festzuschreiben, sagte Merkel, dies sei im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung ja teilweise bereits der Fall. Zur Beschleunigung von Planungsverfahren sprach sie sich dafür aus, "die Zahl der Instanzen zu verringern, durch die man klagen kann". Damit seien bereits nach der Wiedervereinigung gute Erfahrungen gemacht worden.