Wie die AfD bei der Bundestagswahl abschneidet, hängt zu großen Teilen von linksliberalen Medien wie z.B. DIE ZEIT und der Süddeutsche Zeitung und linksliberalen Politikern wie Cem Özdemir (Grüne) oder Martin Schulz (SPD) ab. Dessen jüngster Vorstoß, Flüchtlingsfragen im Bundestagswahlkampf stärker zu thematisieren, illustriert das strategische Dilemma linksliberaler Meinungsmacher.

Denn je öfter sie während des Bundestagswahlkampfes ihre Herzensanliegen in den Vordergrund stellen, zum Beispiel die gerechtere Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU, die Doppelte Staatsbürgerschaft  oder eine Frauenquote, desto besser für die AfD. Je weniger über linksliberale Themen und Positionen berichtet wird, desto schlechter für Frauke Petry, Björn Höcke und Co. Dies ist ein Paradox des Bundestagswahlkampfes: Die Leidenschaft linksliberaler Meinungsmacher könnte der beste Wahlkampfhelfer der anti-liberalen AfD sein.

Die Erfolge rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa beruhen auf der gleichen Gewinnerformel. Sie lautet: "Für die Nation, gegen die Eliten". Rechtspopulisten stellen sich dar als einzige Partei, die die vermeintliche bedrohte nationale Identität gegen äußere Einflüsse verteidigen kann. Sie portraitieren die etablierten Eliten als handlungsunfähig, bzw. unterstellen ihnen das Land bewusst in Gefahr zu bringen. Damit dieses Narrativ aber beim Wähler verfängt, braucht es die Kombination von drei Faktoren, die stark von linksliberalen Meinungsmachern abhängen.

Zum ersten müssen konservative Wähler den Eindruck haben, dass die nationale Identität bedroht ist. Und das glauben sie, wenn Medien über die Thematiken berichten, die jene Sorgen begünstigen. Integration, Flüchtlinge, Eurozone, aber auch Gleichstellungs- und Außenpolitik sind hier die Schlüsselthemen. Die AfD braucht somit die Medienberichte über die Flüchtlingsbewegungen über das Mittelmeer, die instabile Lage der italienischen Banken oder die Ehe für Alle.

Medienpräsenz reicht nicht aus

Die bloße Medienpräsenz solcher Themen reicht aber nicht aus, damit konservative Wähler mit der AfD sympathisieren – und diese Wähler braucht die AfD. Damit dies geschieht, müssen sie den Eindruck haben, dass etablierte Parteien ihre konservativen Sorgen nicht genug beachten. Wenn konservative Wähler  in den Medienvor allem linksliberale Positionen lesen, fühlen sie sich vernachlässigt. Damit die AfD von Immigrations- oder Eurozonenfragen profitieren kann, braucht es somit viele öffentlichkeitswirksame linksliberale Stimmen aus den deutschen Parteien. Berichte im Bundestagswahlkampf in denen Ralf Stegner (SPD) wieder mehr Flüchtlinge aufnehmen möchte, Volker Beck (Grüne) die Ehe für alle begrüßt oder Peter Tauber (CDU) das multikulturelle Deutschland lobt, sind somit gut für den Wahlkampf der AfD.

Damit aus der Kombination aus linksliberalen Themen und Positionen schließlich ein Wahlerfolg der AfD wird, müssen konservative Wähler noch daran erinnert werden, dass sie mit der AfD über eine politische Alternative verfügen. Und hier gilt: There is no bad publicity. Im Bundestagwahlkampf 2017 nutzt der AfD jeder Bericht über sie, um im Gedächtnis der Wähler zu verbleiben. Dies gilt sogar für Berichte über parteiinterne Querelen und rechtsextremistische Tendenzen. Denn im Sommer 2017 möchten AfD-Sympathisanten mit ihrem Kreuzchen v.a. eine Proteststimme abgeben. Nur die wenigsten wählen die AfD als klare programmatische Alternative.

Die AfD braucht Aufmerksamkeit

Linksliberale Meinungsmacher sollten sich daher den Folgen ihres Tuns im Bundestagswahlkampf bewusst sein. Wenn sie ausführlich über Flüchtlings- und Eurozonenfragen berichten, setzen sie die Themen, die die AfD braucht. Wenn sie diese Themen weniger prominent platzieren, geht der AfD die Wahlkampfmunition aus.

Wenn diese Themen medienwirksam diskutiert werden, und die Medien v.a. linksliberalen Positionen eine öffentlichkeitswirksame Plattform bieten, bestätigen sie die Sorgen konservativer Wähler. Je öfter sie in diesen Debatten aber konservativen Kräften aus SPD und CDU/CSU ein Forum bieten, desto grösser das Vertrauen dieser Wählerschichten in die etablierten Parteien.

Und wenn linksliberale Meinungsmacher über parteiinterne Konflikte und rechtsextremistische Tendenzen innerhalb der AfD berichten, erinnern sie enttäuschte Wähler daran, wie sie im September eine Proteststimme abgeben können. Denn das Schlimmste, was der AfD im Bundestagswahlkampf passieren könnte, wäre wenn keiner mehr über sie berichtet.